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Brand bei Shell Keine gefährlichen Stoffe in der Luft festgestellt

Nach der schweren Explosion bei Shell in Godorf hat die Kölner Feuerwehr ihre Messungen abgeschlossen. Es konnte zu keinem Zeitpunkt eine kritische Konzentration von Toluol in der Luft im Kölner Süden festgestellt werden, heißt es nach der Auswertung in einer Erklärung.


Inzwischen hat die Werkfeuerwehr der Shell-Raffinerie alle Reste der Chemikalie aus dem beschädigten Tank abgepumpt. Dabei wurden laut Feuerwehr auch das Lösch- und Abwasser aufgefangen.

Insgesamt war die Kölner Feuerwehr seit der Explosion am Donnerstagnachmittag mit Messwagen an über 120 Messpunkten in den Stadtteilen Porz, Rodenkirchen, Sürth, Ensen, Godorf und Weiß unterwegs. (GDM) 

 

Chronik - die Explosion bei Shell in Godorf am 09. Januar

 

Gegen 15 Uhr hat es auf dem Werksgelände in Godorf eine Explosion gegeben. Dichte, schwarze Rauchschwaden ziehen daraufhin über Köln - ein benzinähnlicher Geruch liegt in der Luft.


15:04 Uhr - Erste Anrufe gehen in der Redaktion ein. Aufgeregte Kölnerinnen und Kölner erzählen von der Explosion und beschreiben schlagende Flammen und dichten Rauch über Godorf.


15:08 Uhr - Die Kölner Feuerwehr gibt uns erste Informationen zur Warnung der Bevölkerung. Zunächst war unklar in welchem Radius Anwohner Fenster und Türen geschlossen halten mussten.


15:21 Uhr - Die Feuerwehr löst Sirenen-Alarm aus.


15:25 Uhr - Die Godorfer Hauptstraße und die Industriestraße werden gesperrt. Auch die KVB-Linie 16 wurde zwischen Wesseling und Sürth unterbrochen.


15:38 Uhr - Die Pressestelle von Shell nimmt erstmals Stellung zu dem Unglück - in einer Pressemitteilung werden erste Details bekannt. Auf dem Werksgelände ist aus ungeklärter Ursache ein Tank explodiert. Dabei ist Toluol ausgetreten.


16:15 Uhr - Die Feuerwehr gibt bekannt, dass der Brand mit Schaum gelöscht werden konnte. Entwarnung gibt es aber noch nicht.

16:18 Uhr - Chemieprofessor Hans-Günther Schmalz von der Uni Köln klärt uns über die Gefahr von Toluol auf - das Lösungsmittel ist zwar giftig, die Konzentration in der Luft muss aber sehr hoch sein, um ernsthaft schädlich zu sein.

 

16:40 Uhr - Shell gibt auf dem Werksgelände eine Pressekonferenz - neue Erkenntnisse führt diese aber nicht zu Tage.

 

17:15 Uhr - Die Stadt Köln gibt eine allgemeine Entwarnung raus - sollten Anwohner aber einen benzinähnlichen Geruch wahrnehmen, sollten Sie vorsichtshalber Fenster und Türen geschlossen halten.

 

17:42 Uhr - Erneut ertönen Sirenen im Kölner Süden - die Feuerwehr gibt Entwarnung - damit sind alle Warnhinweise offiziell aufgehoben.

 

17:45 Uhr - Alle durch den Brand bedingten Straßensperrungen werden wieder aufgehoben.

 

19:12 Uhr Die Stadt Köln gibt folgendes bekannt: 
Die bisherigen Luftmesswerte der Berufsfeuerwehr Köln in den Bereichen Porz, Rodenkirchen, Sürth, Ensen, Godorf und Weiß zeigen ausschließlich Luftwerte, die gerade eben technisch messbar waren, aber deutlich unterhalb aller gesundheitsrelevanten Grenzwerte lagen.
Das städtische Gesundheitsamt hat einige Hinweise veröffentlicht mit Empfehlungen für die Haushalte und Einrichtungen, die in der Nähe der Shell-Raffinerie liegen oder sich in der Windrichtung der aufgestiegenen Rußwolke befinden.

 

Was ist Toluol? 
Toluol ist ein aromatischer Kohlenwasserstoff, der gesundheitsschädlich, aber nicht krebserzeugend ist.


Welche Schadstoffe sind bei einem Brand von Toluol in der Luft zu erwarten? 
Es entstehen verschiedene Brandfolgeprodukte. Je mehr Luft Zutritt zum Brand hat, um-so vollständiger ist die Verbrennung, das heißt es werden weniger Schadstoffe freigesetzt.
Generell ist mit der Bildung von Ruß, Polyzyclischen Aromatischen Kohlenwasserstoffen, Aromaten und einer Vielzahl weiterer organischer Verbindungen zu rechnen.
Auch wird unverbranntes Toluol freigesetzt, das dampfförmig in die Luft entweicht.


Wie ist die gesundheitliche Einschätzung? 
Toluol ist nicht krebserzeugend! Gesundheitliche Schäden sind nicht zu besorgen, weil die Belastung der Luft durch Rauch und Schadstoffe nur kurzzeitig ist.
Wenn man dem Brandrauch ausgesetzt ist, kann es zu vorübergehenden Befindlichkeitsstörungen wie Kopfschmerzen, Augenbrennen und Atembeschwerden kommen. Bei starken und lang anhaltenden Beschwerden im zeitlichen Zusammenhang mit dieser Belastung sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Was ist nach dem Brand zu tun? Was ist mit den Verschmutzungen durch Ruß? 
Bei jedem Verbrennungsvorgang entstehen Rußprodukte, die - je nach Brandverlauf und Brandstoffen - auch gesundheitsgefährliche Stoffe enthalten können. Deshalb rät das städtische Gesundheitsamt vorsorglich Gegenstände, die im Freien durch Ruß verschmutzt wurden, mit Wasser und einem handelsüblichen Reinigungsmittel abzuwaschen. Sicherheitshalber sollte dabei direkter Hautkontakt vermieden werden und wasserfeste Handschuhe angezogen werden. Alle übrigen Flächen - auch der Gartenboden. sowie der Rasen - müssen nicht gereinigt werden.
Sofern im Garten oder auf Freiflächen noch Gemüse steht, das sichtbar mit Ruß verunreinigt
ist, sollten diese Pflanzen vorsorglich entsorgt werden.

Eine Beeinträchtigung der öffentlichen Trinkwasserversorgung ist nicht zu befürchten.


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