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StonewallDer verflixte erste Stein

"Geschichtsklitterung" schallte es Star-Regisseur Roland Emmerichs neuem Werk "Stonewall" entgegen, noch bevor der Film überhaupt in den US-Kinos anlief. Aktivisten in den USA hatten sich, da war gerade einmal ein zweiminütiger Trailer erschienen, darüber ereifert, dass Emmerich einen jungen, gut aussehenden - und vor allem weißen - Mann ins Zentrum seines Films über die Stonewall-Proteste gesetzt hatte. Damals, im Sommer 1969, nahm die Schwulenbewegung ihren Anfang. Ihre Protagonisten aber waren mitnichten nur weiße Mittelschichtsbubis, sondern vielmehr Schwarze und Transsexuelle. "Stonewall" floppte in den USA, spielte keine 200.000 Dollar ein. Jetzt, da der Film auch in Deutschland anläuft und sich die Shitstorm-Wellen geglättet haben, lässt sich konstatieren: Emmerich ist mit "Stonewall" ein eigenwilliges, aber wunderbar unterhaltsames Werk gelungen, das jeder Kritik standhält.

Denn in wohl keinem Mainstream-Film hat es bislang so viele schwule, transsexuelle, schwarze und im besten Sinne tuntige Charaktere gegeben wie in "Stonewall". Dass die Hauptrolle mit Jeremy Irvine besetzt wurde, einer fleischgewordenen Posterboyfantasie, sei dem offen schwulen Regisseur Emmerich doch bitte verziehen. Zumal dieser Danny Winters, den Irvine als verführerische Unschuld vom Lande spielt, zwar den ersten Stein wirft, der die Proteste ins Rollen bringen wird, aber das erst nach rund hundert Minuten Film. Bis dahin ist "Stonewall" vor allem eine klassische Coming-out- und Coming-of-Age-Geschichte.

Aus dem ländlichen Indiana lässt Emmerich seinen weißen Helden ins New York der späten 60-er reisen. Hier will das Landei studieren. Da ihn aber sein sittenstrenger Vater kurz vor der Abreise beim Sex mit einem anderen Mann erwischt, verweigert er ihm die Unterstützung. Mittellos landet Jeremy im New Yorker Stadtteil Greenwich Village und in den Armen einer kunterbunten Truppe aus Transen, Strichern und Straßenkids. Mehr Diversity lässt sich in 129 Minuten Film kaum packen.

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Im Stricherjungen Ray (Jonny Beauchamp) findet Jeremy einen Freund, im politisch engagierten Trevor (Jonathan Rhys Meyers) einen Liebhaber. Das Stonewall Inn, eine Bar in der heute legendären Christopher Street, wird ihr Lebensmittelpunkt. Doch die Schwulenkneipe, die vom zwielichtigen Ed Murphy (Ron Perlman) betrieben wird, ist immer wieder Schauplatz von Polizei-Razzien. Bis sich am 28. Juni 1969 die Community erstmals wehrt: Im Film ist es eine Lesbe, die sich mit Händen und Füßen ihrer Verhaftung widersetzt, und es ist eben Danny, der den ersten Ziegelstein wirft. Was davon historisch haltbar ist, ist umstritten.

Aber es ist eben auch egal: "Stonewall" erhebt keinerlei Anspruch auf historische Genauigkeit. Die Aufgabe haben Dokumentationen wie "Before Stonwall" (1984) oder "Stonewall Uprising" (2010) übernommen. Emmerich geht es vielmehr darum, das Lebensgefühl einer Generation einzufangen, den Widerstandsgeist und auch die Lebenslust, die zu den Unruhen führte, zum ersten Gaypride 1970 und schließlich zur "Ehe für Alle".

"Stonewall" ist eine anfangs durchaus gewöhnungsbedürftige Mischung aus griechischer Tragödie und schwulem Musical (wenn auch ohne Gesang), nimmt sich selten ernst und schreckt nie vor den ganz großen Gefühlen zurück. Wenn am Ende Danny "Gay Power!" schreiend Steine wirft und später durch die Straßen New Yorks marschiert, ist das Theatralik pur. Zwischentöne waren noch nie Emmerichs Sache.

Aber man merkt in jeder Szene, wie stolz der deutsche Star-Regisseur aus der schwäbischen Provinz auf "seine" Helden von damals ist und was auch er ihnen verdankt. "Stonewall" ist kitschig, laut, drückt schamlos auf die Tränendrüsen, ist aber große Unterhaltung. Und das beherrschen eben nur wenige so gut wie "Independence Day"-Regisseur Emmerich.

Sven Hauberg

Kinofilm
Filmbewertungüberzeugend
FilmnameStonewall
OriginaltitelStonewall
Starttermin19.11.2015
RegisseurRoland Emmerich
GenreDrama
SchauspielerJonathan Rhys Meyers
SchauspielerJeremy Irvine
SchauspielerRon Perlman
Entstehungszeitraum2015
LandUSA
Freigabealter12
VerleihWarner
Laufzeit129 Min.
Quelle: "teleschau - der mediendienst"

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