Musik

Moritz Bleibtreu: Echo-Skandal ist "aufgebauscht"

Nachdem in der vergangenen Woche mehrere Künstler ihre Echos als Reaktion auf die Auszeichnung von Farid Bang und Kollegah zurückgegeben haben, meldet sich jetzt auch Schauspieler Moritz Bleibtreu zu Wort. Im Interview mit der Zeitschrift "Neon" zeigt Bleibtreu, selbsternanntes "Rap-Kind der allerersten Stunde", wenig Verständnis für die Debatte. "Dass es so aufgebauscht wird und so eine Resonanz bekommt, ist absurd", so der 46-Jährige.

Verantwortlich dafür, dass Kollegah und Farid Bang trotzt mutmaßlich antisemitischer Textzeilen mit dem wichtigsten deutschen Musikpreis ausgezeichnet wurde, seien die Statuten der Deutschen Phono-Akademie. "Solange man den Preis an den vergibt, der die meisten Platten verkauft, braucht man nichts sagen", findet Bleibtreu. "Wenn da jetzt eine Jury dahinter stehen würde, die ihn bewusst auszeichnet, dann kann man das kritisieren. Aber wir reden hier über einen Industriepreis, der an den geht, der die meiste Kohle verdient. Das kann man nur belächeln eigentlich."

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Die umstrittenen Textzeilen wie "Mein Körper, definierter als der von Auschwitz-Insassen" müsse man "im Kontext betrachten", so Bleibtreu weiter. " Ich glaube an die künstlerische Freiheit. Es muss erstmal möglich sein, das zu sagen, was man möchte. Und dann darüber zu diskutieren. Diese ganze Aufregung heute macht keinen Sinn." Dass die Rap-Kultur "von Selbstüberschätzung, von Größenwahn und Laut-sein" lebe, habe man in Deutschland nicht verstanden. "Man muss doch schnallen, dass die Jugend ihre Ausdrucksformen hat, an denen wir irgendwann nicht mehr dran sind."

Nach der umstrittenen Preisverleihung Mitte April hatten unter anderem Marius Müller-Westernhagen und Ehrenpreisträger Klaus Voormann angekündigt, ihre Echos zurückzugeben. Zuletzt schloss sich Stardirigent Daniel Barenboim seinen Künstlerkollegen an. "Antisemitismus, Frauenfeindlichkeit, Homophobie und die offene Verachtung von vermeintlich Schwächeren und Minderheiten sind ein Missbrauch von Freiheit, den wir als Gesellschaft niemals tolerieren dürfen", bekräftigte der 75-Jährige in einer Stellungnahme. "Wir müssen uns geschlossen gegen solche Stimmen erheben und dürfen sie nicht auch noch dadurch bestärken, dass wir sie mit Preisen auszeichnen und dadurch legitimieren."

teleschau - der mediendienst

Quelle: "teleschau - der mediendienst"

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