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Verschuldung betrifft vor allem Arbeitslose

Dass man sich einmal verschuldet, kann vorkommen. Wer zum Beispiel einen Kredit aufnimmt, um sich den Traum eines Eigenheims zu verwirklichen, verschuldet sich ganz bewusst. Wer jedoch nicht mehr imstande ist, Schulden zurückzuzahlen, ist überschuldet. In Deutschland sind dies circa zehn Prozent aller erwachsenen Menschen. Betroffen sind wenig überraschend insbesondere Langzeitarbeitslose. Auffällig ist die Überschuldungsquote vor allem im Ruhrgebiet.


http://www.radiokoeln.de/koeln/rk/1459861

Schulden sind die große Angst der Deutschen. Dies hat zum einen natürlich historische Gründe, gelten Schulden und Inflation doch spätestens seit der Hyperinflation zwischen 1914 und 1923 als eine der größten Sorgen des Landes und seiner Einwohner. Doch ist dies natürlich auch schon einige Jahre her. Zum anderen sind es deswegen ganz einfach existentielle Sorgen. Denn wer irgendwann seine Schulden gar nicht mehr begleichen kann und in die Schuldenfalle gerät, der droht, in die Privatinsolvenz abzurutschen und Haus und Hof zu verlieren.
In Deutschland ist die Zahl der privat verschuldeten Menschen seit 2008 in diesem Jahr erstmalig wieder über die Zehn-Prozent-Marke geklettert. Dies ergab eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), die bislang allerdings noch nicht veröffentlicht wurde und nur einzelnen deutschen Redaktionen vorliegt.
Besonders gravierend ist die Studie, weil sie aufzeigt, dass die Schere zwischen Arm und Reich weiterhin stark auseinanderklafft und für viele Menschen Arbeitslosigkeit bzw. eine strukturschwache Wohnregion gleichbedeutend ist mit Verschuldung. Die Wirtschaftsforscher fanden nämlich heraus, dass die Schuldnerquoten besonders dort sehr hoch sind, wo im Schnitt auch die Menschen mit den geringsten Einkommen leben.

Ab wann ist man überschuldet? 
Die Daten zur Studie lieferte die Wirtschaftsauskunftei Creditreform, eine Unternehmensgruppe, die ihren Mitgliedern Datensätze deutscher Verbraucher zur Verfügung stellt. Auf diese Weise haben Unternehmen die Möglichkeit, bei Geschäftsverträgen mit potentiellen Kunden vorab zu überprüfen, ob der Verbraucher ausreichend Bonität besitzt, um die georderten Leistungen oder Produkte auch zu bezahlen.
Ist das Risiko dem Unternehmen zu groß, hat dieses die Möglichkeit, der Geschäftsbeziehung zu entsagen. Creditreform besitzt deutschlandweit eine der größten Datenbanken über Privat-und Unternehmensinsolvenzen, woraus sich wiederum auch Schuldnerquoten ableiten lassen, wie sie in der Studie des IW aufgestellt wurden.
Rein rechtlich betrachtet ist es aber schwierig, Überschuldung überhaupt zu definieren. Diese muss allerdings bestehen, damit beispielsweise Privatpersonen die Möglichkeit besitzen, Privatinsolvenz anzumelden, um auf diese Weise ihre Schulden wieder loszuwerden. Prinzipiell ist der Schritt von der gewollten Verschuldung, beispielsweise bei der Aufnahme eines Immobilienkredits, bis zur Überschuldung getan, wenn es dem Schuldner nicht mehr möglich ist, Verbindlichkeiten planmäßig abzubauen.
Dies ist häufig der Fall, wenn Personen übermäßig viele Schulden anhäufen und unbedacht wirtschaften, sodass sie ganz einfach den Überblick über ihre Verbindlichkeiten verlieren. Oder aber sie geraten unverschuldet in die Schuldenfalle, beispielsweise beim Verlust des Arbeitsplatzes.

Arbeitslosigkeit gleichbedeutend mit Verschuldung? 
Schaut man auf die statistischen Zahlen, so zeigt sich, dass vor allen Dingen jüngere Menschen Probleme besitzen, ihre Finanzen ordentlich zu regeln. Mit 14,5 Prozent stellen die unter 30-Jährigen den Personenkreis, in dem am häufigsten Überschuldungen registriert werden können. Senioren hingegen sind am seltensten in die Schuldenfalle getappt. Betriebliche Altersvorsorgen und Co. tragen ihren Teil dazu bei.
In absoluten Zahlen mussten bundesweit 6,85 Mio. Erwachsene in 3,7 Mio. Haushalten registriert werden, die "weiche" oder "harte" Verschuldungsmerkmale vorwiesen. Auffällig war, dass Männer deutlich häufiger verschuldet sind als Frauen. Den Daten zufolge habe mehr als jeder zehnte Mann Schulden. Bei den Frauen sind es mit 7,6 Prozent deutlich weniger.

Weiche Überschuldungsmerkmale: 

- Mahn- und Inkassofälle, die noch nicht zu juristischen Verfahren geführt haben
- Häufig verspätete Zahlungen

Harte Überschuldungsmerkmale:

- Privatinsolvenzen und gerichtliche Negativmerkmale aller Art in Verbindung mit Zahlungsverpflichtungen
- Haftanordnungen aufgrund ausbleibender Zahlungsverpflichtungen

Viel wichtiger als die Verteilung der Schuldnerquoten bei den Personenkreisen ist die strukturelle Verteilung. Vergleicht man nämlich die regionale Verteilung der Schuldner mit den Datensätzen für Einkommensarmut, finden beide Linien sehr häufig eine Überschneidung. Die Wirtschaftsforscher schließen daraus, dass ein geringes Einkommen sehr häufig mit Verschuldung zusammenhängt.

Einkommensarmut herrscht dann vor, wenn eine Person in einer Region weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens zur Verfügung hat. 

Überschuldung in Nordrhein-Westfalen "besonders hoch"
Seit Ende der Kohlekrise am Ende der fünfziger Jahre durchläuft das gesamte Ruhrgebiet einen Strukturwandel, den die Region bis heute nicht abgeschlossen hat. War das Ruhrgebiet zur Zeit der Montanunion noch das wichtigste Ballungsgebiet in Europa, musste sich der deutsche Westen seit circa 1958 mit dem Beginn der Kohlekrise sukzessive darum bemühen, neue Wirtschaftsfelder für die ansässige Bevölkerung zu schaffen. Mittlerweile gilt das Ruhrgebiet als Dienstleistungsregion und attraktiver Standort für Bildungs- und Kultureinrichtungen wie -veranstaltungen.
Trotzdem ist diese Entwicklung noch längst nicht abgeschlossen. Dies belegt auch der Umstand, dass die Überschuldungsquote in Nordrhein-Westfalen besonders hoch ist. Auch dies erklärt, weswegen die Studienautoren Klaus-Heiner Röhl und Christoph Schröder der Meinung sind, dass das Ruhrgebiet ein ",Hot Spot' sozialer Problemlagen" sei. Und weil Einkommensarmut und Langzeitarbeitslosigkeit im Ruhrgebiet eben besonders ausgeprägt sind, könne die Überschuldungsstatistik nicht verwundern.
Nichtsdestotrotz spielen geringe Einkommen, Armut und Überschuldung auch in anderen deutschen Regionen eine große, tragische Rolle. Noch schlechter als viele Städte im Ruhrgebiet schneidet beispielsweise Bremerhaven ab. Doch auch in der Hauptstadt sieht die finanzielle Situation bei vielen Menschen wie auch Stadtteilen nicht sonderlich gut aus.
Röhl und Schröder empfehlen der Politik deswegen, schnellstmöglich Maßnahmen zu ergreifen, die es Betroffenen möglich machen, sich selbst zu helfen. Einmal davon abgesehen, dass viele Menschen häufig zu lange zögern, bevor sie sich bei einer Schuldnerberatung Hilfe holen, sind es auch andere Gründe, die dazu führen, dass überschuldete Personen nicht mehr aus der Schuldenfalle kommen. Eine bessere Ganztagsbetreuung von Kindern alleinerziehender Personen können den Autoren zufolge beispielsweise dazu führen, das Risiko einer Ver- bzw. Überschuldung zu mindern. 
 
Verschuldet oder überschuldet? Damit Verbindlichkeiten auch zurückbezahlt werden können, gibt es Mittel und Wege, den Überblick über seine Schulden zu behalten. Grafikquelle: www.sofortkredite-24.com


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