Spiele mit künstlerischem Anspruch sind derzeit en vogue. Dabei geht das beeindruckende audiovisuelle Gesamterlebnis oft genug einher mit allzu dürren Inhalten. Das spanische Entwicklerteam Beautifun Games will mit ihrem iOS-Titel "Nihilumbra" dagegen auch gehobenen spielerischen Ansprüchen genügen und Herz, Hand und Hirn gleichermaßen erfreuen.
Born ist eine kleine, schwarze, gerade erst geborene Kugel - und schon auf der Flucht vor einer großen, alles verschlingenden Leere. Als das Geschöpf in der realen Welt landet, weiß es weder so recht, wo es herkommt noch wo es hin soll - und warum es überhaupt existiert. Nur bei einem ist sich Born sicher: Er will leben.
Also erforscht er die vor ihm liegende Gegend. Ständiger Begleiter auf Borns Expedition sind die ihm sich aufdrängenden Fragen rund um das eigene Dasein und der Suche nach einem Sinn. Der philosophische Ansatz von "Nihilumbra" mag anfangs etwas schwer verdaulich sein - zumal er dem Spieler immer wieder in wortreichen Textpassagen vermittelt wird.
Hinzukommt, dass Borns anfängliche innere Leere frappierend genau spielerisch umgesetzt wurde. Die ersten Minuten läuft man durch meist leere Szenarien, in denen es höchstens mal ein paar harmlose Vorsprünge und Schluchten zu bewältigen gilt. Erst nach und nach kommen weitere Elemente hinzu. Die Entwickler gehen das hohes Risiko ein, dass sich in dieser Phase trotz der insgesamt schönen Präsentation vor allem erfahrene Spieler gelangweilt abwenden.
Aber sie würden einiges verpassen. Denn im weiteren Verlauf legt "Nihilumbra" spielerisch ordentlich zu. Aus einem simplen Jump&Run wird zunehmend ein vielseitiger Genre-Mix, der vor allem gutes Timing benötigt und gekonnt Physik-Puzzeleien und Denkaufgaben mit einbindet. Unterschiedlichste Manifestationen der Leere machen dem Spieler das Leben zusätzlich schwer und lassen sich meist nur mit einer bestimmten Taktik besiegen. Am Ende jeder Welt muss Born schließlich unter Zeitdruck vor der großen, wabernden und alles verzehrenden Leere flüchten, die versucht, ihn in ihr Reich zurückzuholen.
Spielerisches Schlüsselelement von "Nihilumbra" sind fünf Farben, die einem nach und nach zur Verfügung stehen. Mit ihnen kann man den Level bemalen, wobei jede Farbe andere Effekte und Auswirkungen hat. Blau bildet zum Beispiel eine Eisschicht, mit der Born schneller wird und dadurch weiter hüpfen kann. Eis lässt aber auch Monster hilflos Abgründe hinunterstürzen. Die braune Farbe erweist sich als hervorragender Kleber, Grün dagegen besitzt einen Trampolineffekt. Gelb leitet Strom und mit Rot erzeugt man Lava. Beim Einsatz der Farben ist der Schwierigkeitsgrad eher niedrig angesiedelt, mehrere zugleich sind nur selten nötig.
Alles in allem wäre "Nihilumbra" damit ein nettes "Art Game" mit stilvoller Grafik, stimmungsvoller Musik, einfacher Steuerung, aber auch etwas biederem und vor allem wenig anspruchsvollen Spielmechanismen. Wäre - denn wer Born bis zum Ende führt und ihn endgültig vor der Leere rettet, bekommt fast schon stillschweigend einen weiteren Spielmodus spendiert. Und der hat es in sich, denn aus den harmlosen Levels werden mit Rätseln, Fallen und Monstern gespickte Abschnitte, die dem Spieler alles abverlangen.
Michael Orth
| Game | |
|---|---|
| Spielname | Nihilumbra |
| Hersteller | Beautifun Games |
| Vertrieb | Apple |
| Genre | Geschicklichkeit |
| Erhältlich ab | 31.07.2012 |
| Preis | 2,39 Euro |
| EAN Code | 1234567890123 |
| Schwierigkeit | Für Einsteiger und Fortgeschrittene |
| Alter | ab 12 Jahren |
| Multiplayer | nein |
| Bewertung Grafik | gut |
| Bewertung Steuerung | gut |
| Bewertung Sound | gut |
| Bewertung Spielspass | sehr gut |
| Bewertung Gesamt | sehr gut |
Erhältlich für:
iPhone/iPod/iPad









