Angeklagter verliert vor Gericht die Kontrolle
(FW) Im Prozess gegen die mutmaßlichen Rizin-Bombenbauer von Köln gab es einen Wutausbruch des Angeklagten. Nachdem die mitangeklagte Ehefrau des Tunesiers im Gerichtssaal erklärte, sie habe die Scheidung eingereicht, verlor der 30-Jährige die Kontrolle und ließ seine Anwälte auflaufen.
Veröffentlicht: Freitag, 12.07.2019 11:11
Diese hatten zuvor mühsam versucht zu erklären, ihr Mandant sei psychisch zu stark angegriffen und deshalb eine Vertagung gefordert. Wütend und in gut verständlichem Deutsch erklärte der Angeklagte, er sei im Vollbesitz seiner mentalen Kräfte. In der JVA Köln sei er außerdem vom Leiter des psychologischen Dienstes untersucht worden. Dieser hatte am Donnerstag, wie schon der Amtsarzt in Düsseldorf, ebenfalls die volle Verhandlungsfähigkeit des Tunesiers festgestellt.
Trotzdem forderte der Angeklagte, zurück in die JVA Köln gebracht zu werden.
„Ich kann nicht mehr, ich explodiere. Ich will in meine Zelle oder ich mache was Blödes“, so der Mann wörtlich.
An seine Frau richtete er die Worte: „Glückwunsch für dich salem aleikum. Allah sieht alles“.
Der Richter unterbrach daraufhin die Verhandlung vorrübergehend, damit sich der Mann beruhigen konnte. Die angeklagte Ehefrau des 30-Jährigen Tunesiers hat die Scheidung eingereicht, so die Verteidigerin am Freitag. Hintergrund des erneuten Streits zwischen Verteidigung und Senat war der Antrag auf Verhandlungsunfähigkeit des Angeklagten Tunesiers am Donnerstag. Das Gericht habe sich nicht ausreichend Zeit genommen und die Verteidigung nicht ausreichend zu Wort kommen lassen, heißt es in dem Antrag. Die Anwältin der angeklagten Ehefrau des Tunesiers sagte, wenn es von der Gnade des Vorsitzenden abhänge, ob die Verteidigung sprechen dürfe oder nicht, dann sei eine sachgerechte Verteidigung nicht möglich. Der Richter führe den Prozess außerdem auf eine unnötig aggressive Art und Weise.
Der Richter wies die Vorwürfe zurück. Alle Verteidiger hätten ausreichend Gelegenheit bekommen, sich zu äußern. Dass einige Äußerungen allerdings zurückgestellt werden mussten, habe daran gelegen, dass Zeugen teilweise schon stundenlang warteten oder extra aus Berlin angereist waren.
Der Angeklagte hatte die psychischen Probleme mit der Sorge um seine Kinder begründet. Auf Nachfrage des Leiters des psychologischen Dienstes der JVA Köln konnte der zweifache Vater aber weder die Augenfarbe noch die Geburtstage der beiden Kinder ohne weiteres nennen.
Das Kölner Ehepaar muss sich seit Juni vor dem Staatschutzsenat in Düsseldorf verantworten. Sie sollen laut Bundesanwaltschaft einen islamistischen Anschlag mit dem Bio-Kampfstoff Rizin geplant haben. Ihnen drohen jeweils bis zu 15 Jahren Haft. Zu den Vorwürfen schweigen die Angeklagten bislang. Der Prozess soll Anfang August weitergehen und noch bis November laufen.