
Demirci möchte wieder Alltag
(MF) Er saß mehrere Monate in Haft und durfte nach der Freilassung nicht das Land verlassen. Der Kölner Adil Demirci möchte nach seiner Zeit in der Türkei so schnell wie möglich wieder in den Alltag zurückfinden. Das hat er am Freitag in einer Pressekonferenz in Köln gesagt.
Veröffentlicht: Freitag, 21.06.2019 14:14
Am schwersten sei die Zeit zu Beginn der Haft gewesen, so Demirci. Dort habe er die ersten vier Monate verbracht, ohne zu wissen, warum man ihn festgenommen hatte.
„Es war wirklich sehr schwierig. Man konnte nur durch die Anwälte und das Konsulat erfahren, was ansteht. Als die Anklageschrift da war, war ich schon etwas erleichtert, aber gleichzeitig auch sehr sauer.“
Bei der Pressekonferenz war auch sein Bruder Tamil Demirci. Er und weitere Menschen hatten immer wieder Mahnwachen auf dem Wallraffplatz organisiert. Diese Treffen waren sowohl sehr schwer, als auch sehr hilfreich für die Familie, so der Bruder Tamil Demirci:
„Wenn sich immer wieder 20, 30, 40 Menschen versammeln, hat das auch einem selbst gut getan, um das Geschehene zu verarbeiten. Wir haben uns jede Woche getroffen und es geht zwar um Adil, aber gleichzeitig redet man miteinander und dafür war das eine super Situation.“
Demirci war vergangenes Jahr im April während eines Urlaubs in Istanbul festgenommen worden. Grund dafür waren Terrorvorwürfe. Die türkische Staatsanwaltschaft wirft Demirci die Mitgliedschaft in einer linksextremen Partei vor, die in der Türkei verboten ist. Demirci weißt die Vorwürfe jedoch zurück.
Nach 14 Monaten Untersuchungshaft und Ausreisesperre durfte der Sozialarbeiter am Montag nach Köln zurückreisen, nachdem seine Mutter an Krebs gestorben war. Am Kölner Flughafen wurde er von vielen Freunden und Unterstützern in Empfang genommen. Im Oktober soll sein Prozess in der Türkei weitergehen. Es ist einer der prominentesten Prozesse gegen einen Deutschen in der Türkei.