
Diversity im Job: Wie erkenne ich einen offenen Arbeitgeber?
Viele Unternehmen schreiben heute ganz selbstverständlich in ihre Stellenanzeigen, dass sie offen, modern und divers sind. Doch woran erkennt ihr eigentlich, ob Vielfalt in einem Unternehmen wirklich gelebt wird – und nicht nur gut klingt?
Veröffentlicht: Montag, 18.05.2026 16:19
Zum Deutschen Diversity-Tag am 19. Mai, haben wir mit Max Appenroth von der Kölner Diversity Factory und mit Cawa Younosi vom Verein „Charta der Vielfalt“ gesprochen. Beide sagen: Diversity bedeutet deutlich mehr als nur Regenbogenflaggen oder bunte Social-Media-Posts.
Was ist Diversity?
Vielfalt ist deutlich mehr als nur der Regenbogen, sagt Max Appenroth. Es gehe zum Beispiel auch um Herkunft, Religion, körperliche Fähigkeiten, soziale Herkunft oder unterschiedliche Lebensrealitäten.
Auch der Verein „Charta der Vielfalt“, der den Deutschen Diversity-Tag seit 2012 organisiert, betont: Aktionen und Sichtbarkeit seien wichtig – entscheidend sei aber, was Unternehmen im Alltag tun. Also: Wer wird tatsächlich eingestellt? Wer wird befördert? Und bekommen wirklich alle die gleichen Chancen?
Wie erkenne ich einen diversen Arbeitgeber?
Wenn ihr euch bewerbt, könnt ihr oft schon vor dem Bewerbungsgespräch ein Gefühl dafür bekommen, wie ein Unternehmen tickt. Dazu könnt ihr euch zum Beispiel die Unternehmenswebsite oder Social-Media-Kanäle anschauen. Gibt es dort sichtbare Vielfalt, auch in den Führungsetagen? Sind unterschiedliche Perspektiven vertreten oder sieht am Ende doch alles sehr homogen aus? Außerdem könnt ihr darauf achten:
· Gibt das Unternehmen nach außen hin ein klares Signal, dass sie Vielfalt und andere Perspektiven wertschätzen?
· Gibt es ein Diversity-Management?
· Gibt es Netzwerke für Mitarbeitende?
· Werden unterschiedliche Perspektiven ausdrücklich gesucht?
· Gibt es Hinweise auf Barrierefreiheit oder Ansprechpersonen für Diversity-Themen?
· Laut Max Appenroth könnte ein Warnsignal, eine auf den ersten Blick positive Formulierung wie “Wir behandeln alle Menschen gleich” sein, weil Menschen nicht alle die gleichen Voraussetzungen mitbringen.
· Gibt es barrierefreie Bewerbungswege? Werden unterschiedliche Lebensrealitäten mitgedacht? Gibt es konkrete Unterstützungsmöglichkeiten?
Auch Bewertungsplattformen wie Kununu können helfen. Laut Cawa Younosi werde dort oft schnell sichtbar, ob Unternehmen ihre Werte tatsächlich leben – oder ob Vielfalt eher Marketing ist.
Traut euch, Fragen zu stellen
Auch im Bewerbungsgespräch selbst könnt ihr viel herausfinden. Zum Beispiel:
· Gibt es Ansprechpersonen für Diversity-Themen?
· Wie barrierefrei ist der Arbeitsplatz?
· Gibt es Netzwerke für Mitarbeitende?
· Wie sieht die Diversity-Strategie aus?
· Wie viele Frauen arbeiten im Unternehmen?
· Gibt es Gleichstellungs-Beauftragte?
Max Appenroth erkennt aber auch an, dass wenn du einen Job dringend brauchst, das wahrscheinlich nicht deine erste Priorität ist. Trotzdem sagt er: „Kein Job der Welt ist es wert, sich selbst verstecken zu müssen".
Was tun bei Diskriminierung?
Wer sich am Arbeitsplatz diskriminiert fühlt, hat Rechte. Laut der „Charta der Vielfalt“ müssen Unternehmen nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) Beschwerdestellen einrichten. Betroffene können sich außerdem an Betriebsräte, Vorgesetzte oder externe Beratungsstellen wenden. In schweren Fällen seien auch rechtliche Schritte möglich. Wenn ihr für ein Unternehmen arbeitet, dass die Charta der Vielfalt unterzeichnet hat, könnt ihr euch auch direkt bei dem Verein melden.
Netzwerke im Unternehmen können helfen
Cawa Younosi empfiehlt außerdem, sich mit anderen Mitarbeitenden zu vernetzen oder selbst Netzwerke zu gründen. Viele Unternehmen hätten inzwischen Gruppen für Frauen, queere Mitarbeitende, Menschen mit Migrationsgeschichte oder Eltern gegründet. Dort könnten Bedürfnisse offen angesprochen werden. Gleichzeitig helfe das Unternehmen dabei, mit Menschen zu sprechen – statt nur über sie.
Hilfe und Austausch in Köln
Wer Unterstützung oder Austausch sucht, findet in Köln verschiedene Anlaufstellen. Dazu gehören zum Beispiel:
· AntiDiskriminierungsBüro Köln
Dort gibt es Beratung, Vernetzung und Unterstützung rund um Vielfalt und Diskriminierung in der Arbeitswelt.
(PW|KS|Bild: Charta der Vielfalt e.V.)