Im Auto oder auf dem Fahrrad – Fahr runter! Auch, wenn du recht hast. Eine Aktion des ADAC Nordrhein mit Radio Köln

Missverständnisse zwischen Autofahrern und Radlern sorgen für Stress auf beiden Seiten. Wir wollen helfen, sie zu vermeiden und die Unfallzahlen zu reduzieren. Radio Köln unterstützt die Aktion. Im Rahmen der Kooperation mit dem ADAC wollen wir ein stärkeres Bewusstsein für mehr Miteinander im Straßenverkehr, insbesondere zwischen Autofahrern und Fahrradfahrern, schaffen und damit auch einen Beitrag zur Unfallprävention leisten.

© ADAC

Im Corona-Jahr 2020 sank die Zahl der Verkehrsunfälle in Köln aufgrund des geringeren Verkehrsaufkommens zwar um knapp 20 Prozent auf 33.745 (2019: 41.440). Die Zahl der verunglückten Radfahrer stieg laut Statistik der Polizei Köln allerdings auf 1999 an (2019: 1985). Damit waren 2020 fast 500 Radler mehr in einen Unfall verwickelt als vor fünf Jahren. Die Zahl der verunglückten Pedelec-Fahrer wuchs im Vergleich zu 2019 (83) sogar um knapp 50 Prozent (124). Viele Fahrradfahrer verunglückten bei Alleinunfällen. Bei den verbliebenen Unfälle waren Autofahrer zu 56 Prozent die Verursacher. Sie machten häufig Fehler beim Abbiegen, missachteten die Vorfahrt oder öffneten unbedacht die Autotüren. Andere Radfahrer waren in einem weiteren Drittel der Unfälle die Verursacher. Zunehmend mehr Menschen steigen vom Auto oder den öffentlichen Verkehrsmitteln aufs Fahrrad um. Laut Polizei Köln gab es im Jahr 2020 etwa 14 Millionen Fahrradfahrten in der Rheinmetropole. Tendenz steigend.

Die Flächenkonkurrenz im öffentlichen Straßenraum ist eine der großen Mobilitäts-Herausforderungen in Köln. Eine Straße mit zwei Fahrstreifen ist in der Regel sechseinhalb Meter breit. Hinzu kommen Flächen für Fußgänger, Fahrradfahrer und parkende Autos. Die wenigen Meter sind hart umkämpft – denn es gibt immer mehr Pkw, Transporter und Elektro-Tretroller, die Fußgängern und Radfahrern das Leben schwer machen. Der Verkehr ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen, der Platz auf der Straße ist aber derselbe geblieben. Das alles eröffnet in den Ballungsräumen einen „Verteilungskampf“ auf der Straße: Jeder gegen jeden!

Besonders häufig tritt dieser Konflikt zwischen Autofahrern und Radfahrern auf. Bereits in einer ADAC Studie von 2017 gaben Autofahrer an, dass sie das Verhalten der Radfahrer stört und die Radfahrer, dass sie sich mit am meisten über das Verhalten von Autofahrern ärgern. Häufiger Grund für Ärger ergibt sich daraus, dass die Verkehrsteilnehmer bestehende Verkehrsregeln nicht einhalten oder nicht aufmerksam sind. Der ADAC Nordrhein möchte im Sinne seiner Verkehrssicherheitsarbeit verstärkt für mehr Miteinander zwischen beiden Gruppen werben und startet deshalb die Aktion „Ob im Auto oder auf dem Fahrrad: Fahr runter! Auch, wenn du recht hast.“

Radio Köln unterstützt die Aktion. Im Rahmen der Kooperation mit dem ADAC wollen wir ein stärkeres Bewusstsein für mehr Miteinander im Straßenverkehr, insbesondere zwischen Autofahrern und Fahrradfahrern, schaffen und damit auch einen Beitrag zur Unfallprävention leisten.

Wusstest Du?

Eine Umfrage des ADAC zur Sicherheit beim Fahrradfahren zeigt, dass Radfahrer sich vor allem dort sicher fühlen, wo Radwege baulich von der Fahrbahn abgegrenzt sind. Die Trennung kann in Form eines Bordsteins zwischen Radweg und Fahrbahn oder durch Barrieren zwischen Fahrbahn und Radfahrstreifen erreicht werden. Jeweils 59 Prozent gaben an, sich so am sichersten zu fühlen.

Unsicher fühlen sich Radfahrer vor allem auf der Fahrbahn zusammen mit dem Kfz-Verkehr (57 Prozent). Nur acht Prozent gaben an, sich hier sicher zu fühlen.

Auch auf markierten Schutz- oder Radfahrstreifen fühlen sie sich eher unwohl (30 bzw. 24 Prozent). Daher empfiehlt der ADAC, Radfahrer entlang von Hauptverkehrsstraßen möglichst auf baulich getrennten Wegen zu führen.

Die Unfallzahlen zeigen, dass sich etwa zwei Drittel der Radverkehrsunfälle innerorts an Kreuzungen, Einmündungen und Grundstückszufahrten ereignen. Um hier die Sicherheit zu verbessern, müssen gute Sicht und Sichtbarkeit der Radwege und Radfahrer gewährleistet sein: Deutlich markierte Bereiche zur Verdeutlichung der Verkehrsführung und Vorfahrtsregelungen können dabei nach Ansicht des ADAC helfen.

Die wichtigsten Ergebnisse der Umfrage© ADAV
Die wichtigsten Ergebnisse der Umfrage
© ADAV

Wichtig für Autofahrer

Was Autofahrer beachten sollten:

  • Besonders an Engstellen haben Autofahrer manchmal den Eindruck Radler würden absichtlich weit in der Mitte der Straße fahren: Aber Radfahrer müssen zum rechten Fahrbahnrand und zu parkenden Autos genügend Sicherheitsabstand einhalten.
  • Beim Überholen müssen Sie innerorts mindestens 1,5 Meter Seitenabstand zum Radfahrer einhalten. Bei höherem Tempo und wenn Sie Kinder überholen wollen, sollte der seitliche Sicherheitsabstand mindestens zwei Meter betragen. Außerorts ist dies der verpflichtende Mindestabstand.
  • Radfahrer dürfen auf Radwegen oder auf Fahrbahnen fahren, außer ein blaues Verkehrsschild schreibt ihnen vor, dass sie den Radweg benutzen müssen.
  • Selbst wenn es vor der roten Ampel eng ist: Radfahrer dürfen laut §5 der Straßenverkehrsordnung wartende Autos rechts überholen, wenn ausreichender Raum vorhanden ist. Allerdings sind dabei "mäßige Geschwindigkeit und besondere Vorsicht" einzuhalten.
  • Schutzstreifen für Radfahrer sind durch eine unterbrochene weiße Leitlinie markiert. Nur in Ausnahmefällen dürfen Autofahrer die Leitlinie überfahren, zum Beispiel wenn sie kurzfristig ausweichen müssen und dabei kein Radfahrer gefährdet wird. Das Halten auf dem Schutzstreifen ist verboten und führt zu einem Punkteintrag.
  • Auf Radfahrstreifen dagegen, erkennbar durch eine durchgezogene weiße Linie, dürfen Autofahrer weder ausweichen noch parken oder halten. Nur um dahinter angelegte Parkstände zu erreichen, dürfen sie überfahren, Radfahrer dabei aber weder behindert noch gefährdet werden.
  • Im Radfahrerland Holland lernen Neulinge es bereits in der Fahrschule: Öffnen Sie die Fahrertür von innen mit der rechten Hand („Holländischer Griff“). So dreht sich der Oberkörper automatisch leicht in Richtung des nachfolgenden Verkehrs – dadurch sehen Sie auch in den toten Winkel. Bei unseren Nachbarn stoßen so wesentlich seltener Radfahrer gegen unachtsam geöffnete Autotüren.
  • Auch wenn Sie Recht haben: Pochen Sie nicht darauf! Was nützt es, wenn Sie Recht hatten und es dennoch einen Unfall gibt? Die Hauptschuld trägt in der Regel immer der "stärkere" Autofahrer.


Streit und Diskussionen führen zu nichts© Kzenon/adobestock.com
Streit und Diskussionen führen zu nichts
© Kzenon/adobestock.com

Wichtig für Radfahrer

Was Radfahrer beachten sollten

  • Oft werden Radler schlicht übersehen. Deshalb: Kleiden Sie sich möglichst auffällig und schalten Sie bei Dämmerung und Dunkelheit Ihr Licht an.
  • Zeigen Sie Ihre Absicht immer eindeutig an: Ein Autofahrer kann nicht wissen, dass Sie abbiegen wollen, wenn Sie kein Handzeichen geben.
  • Benutzen Sie den Radweg, wo ein blaues Schild es erfordert. Fahren Sie nur in die zugelassene Richtung: Auch erfahrene Autofahrer rechnen meist nicht mit Geisterfahrern.
  • Versuchen Sie für Pkw- und Lkw-Lenker mitzudenken: Nicht immer ist diesen klar, dass ihr Fahrzeug einen toten Winkel hat. Meiden Sie den toten Winkel beim Fahren und beim Stehen.
  • In für Fahrradfahrer freigegebene Einbahnstraßen dürfen Sie auch in die Gegenrichtung fahren. Allerdings sind diese Straßen oft relativ eng. Halten Sie Blickkontakt mit den entgegenkommenden Fahrern – so lassen sich Gefahrensituationen mit wenigen Gesten entschärfen.
  • Wenn an Haltestellen Fahrgäste ein- oder aussteigen, darf rechts nur mit Schrittgeschwindigkeit und nur in sicherem Abstand vorbeigefahren werden. Am besten wartet der Radler am Anfang des Haltestellenbereiches, bis keine Fahrgäste mehr kreuzen.
  • Auch wenn Sie es haben: Pochen Sie nicht auf ihr Recht!
  • Ratsam ist, eine private Haftpflichtversicherung abzuschließen.
Die Stimmung könnte besser sein.©
Die Stimmung könnte besser sein.
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Wichtig für Pedelec-Fahrer

Das sollten Pedelec/E-Bike-Fahrer wissen:

  • Für Pedelec-Fahrer gilt natürlich dasselbe wie für "klassische" Radfahrer.
  • Zusätzlich sollten sie aber noch einen weiteren Punkt beachten: Wegen der zusätzlichen Motorkraft und dem höheren Gewicht hat ein Pedelec andere Eigenschaften als ein herkömmliches Fahrrad. Dies hat spürbare Auswirkungen auf das Fahrverhalten und ist im Straßenverkehr eine nicht zu unterschätzende Gefahrenquelle.
  • Die Fahrer sollten daher den sicheren Umgang in einem Pedelec-Training üben. Dies ist bei verschiedenen Anbietern, unter anderem auch beim ADAC Nordrhein in Köln möglich. Aufgrund der erhöhten Gefahren empfehlen wir zudem, Pedelecs erst ab 16 Jahren zu nutzen.


Weitere Infos

Der ADAC Nordrhein hält auf seiner Homepage weiter Informationen und Hintergründe bereit.

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