
Neues im Glukose-Fall: Gesundheitsdezernent kritisiert Apotheken-Schließung
(PW) Die Stadt Köln sei zu einer anderen Bewertung gekommen, so Gesundheitsdezernent Harald Rau. Gemeinsam hatten Landes- und Bezirksregierung am Donnerstag verfügt, dass die drei Apotheken in Longerich und Bilderstöckchen nach dem Tod einer Frau und ihres Kindes, bis auf Weiteres geschlossen werden müssen.
Veröffentlicht: Donnerstag, 26.09.2019 15:12
Die Stadt könne diese Entscheidung nicht nachvollziehen, habe die Apotheken auf Weisung aber schließen lassen, sagte Rau kurz vor Beginn der Ratssitzung im Rathaus:
„Die Bezirksregierung ist mit der Landesregierung zu einem anderen Schluss gekommen als die Stadt Köln. Nämlich zu dem Schluss, dass eine alleinige Schließung der Rezeptoren nicht hinreichend aus deren Sicht ist, sondern auch die Apotheken zu schließen sind.“
Man sei weiterhin der Überzeugung, dass man mit der Entscheidung vom Montag die Apotheken auf zu lassen und nur den Abverkauf von selbsthergestellten Mitteln zu verbieten, ausreichend gehandelt zu haben.
Zwei Todesfälle durch Glukose-Mischung
Nach zwei Todesfällen durch eine vergiftete Glukose-Mischung hatten die Behörden die sofortige Schließung von drei Apotheken in Köln angeordnet.
Konkret geht es um alle Apotheken des Besitzers der betroffenen Heilig-Geist-Apotheke in Longerich. Dazu gehören außerdem die Apotheke am Bilderstöckchen in der Alzeyer Straße und die Contzen-Apotheke in Bilderstöckchen. Es gehe um den vorbeugenden Gesundheitsschutz während der laufenden Ermittlungen, sagte ein Sprecher des nordrhein-westfälischen Gesundheitsministeriums.
Eine Mutter und ihr Kind waren laut Polizei an den Folgen der Einnahme eines Schwangerschafts-Diabetes-Tests aus der Longericher Heilig-Geist-Apotheke gestorben. Die Obduktion der Toten hatte ergeben, dass die Mutter und ihr Säugling durch multiples Organversagen gestorben sind.
Die Ermittler vernahmen am Mittwoch weitere Zeugen. Die Staatsanwaltschaft erklärte, dies werde noch einige Tage andauern. Es deuten sich mühsame und langwierige Ermittlungen an. Ergebnisse der chemisch-toxikologischen Untersuchungen stehen noch aus.
Die Staatsanwaltschaft erhofft sich von der Laboranalyse Antworten auf die Frage, ob sich der in der Zuckerlösung gefundene Stoff auch im Körper der Toten und Betroffenen nachweisen lässt.
Ermittelt wird weiter gegen Unbekannt. Dass der giftige Stoff, bei dem es sich um ein Narkosemittel handeln soll, zufällig in den Topf mit Glukosepulver gefallen sein könnte, halten die Ermittler für unwahrscheinlich. Der leitende Oberstaatsanwalt Bremer sagte, man habe keinen Erklärungsansatz, wie das hätte passieren können, da beide Stoffe voneinander getrennt gelagert würden.
Weiterer Fall entdeckt
Es gab zudem noch einen weiteren Fall. Eine andere Patientin hatte das Präparat abgesetzt, nachdem Komplikationen aufgetreten waren. Ein Arzt hatte beide Vorfälle der Polizei gemeldet.
Die Apotheke wurde in der Zwischenzeit durchsucht, Beweismittel wurden sichergestellt.
Polizei und Stadt warnen vor Einnahme von Glukose
Fest steht, dass in der Glukose-Mischung des Schwangerschafts-Diabetes-Tests ein Gift nachgewiesen werden konnte. Die Polizei hat das Behältnis, in dem die vergiftete Glukose-Mischung war, sichergestellt.
Es sei nicht auszuschließen, dass noch andere Menschen etwas von dem toxischen Gemisch zu Hause haben. Das solle bitte bei der Polizei abgegeben und unter keinen Umständen eingenommen werden. Um was für ein Gift es sich genau handelt, hat die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen offen gelassen.
Sie geht von einem lokalen Fall aus. Auch wenn die Herstellerfirma der Zuckerlösung bundesweit verkaufe, gäbe es bislang keinen Hinweis darauf, dass noch andere Apotheken in Deutschland betroffen seien. Der leitende Ermittler sagte, man gehe davon aus, dass die Lösung in der Apotheke mit dem Gift verunreinigt wurde.
