Rizinbomber aus Chorweiler vor Gericht

(MF| Symbolbild) Vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf läuft der Prozess gegen die mutmaßlichen Rizin-Bomber aus Chorweiler.

© Radio Köln/ Waltel

10. Verhandlungstag

Es waren grausige Bilder für alle Beteiligten des Rizinbomberprozesses: Enthauptungen, Kampfhandlungen in Syrien oder Anleitungen zum Bau von Sprengstoffgürteln. All das fanden die Ermittler auf dem Handy des Hauptangeklagten. Am 10. Verhandlungstag wurde einmal mehr deutlich, wie sehr sich der Hauptangeklagte mit der Terrormiliz Islamischer Staat identifiziert. Die Ermittler fanden auf einem Handy des Tunesiers 46.000 Bilder mit zum Teil islamistischem Hintergrund. Einige wurden am Donnerstag als Beweismittel im Prozess gezeigt. 

Ein Islamwissenschaftler erklärte, dass Bilder und Texte auf dem Handy des Angeklagten verdeutlichten wie sehr dieser der dschiadistischen Ideologie anhänge. Der Angeklagte habe in Internetchats beispielsweise erklärt, es werde dem IS am Ende gelingen, Macht über die Ungläubigen zu erlangen. Er wolle nach Syrien ausreisen, um dort für den IS zu kämpfen. 

Außerdem wurde ein psychiatrisches Gutachten über den Hauptangeklagten vorgelegt. Demnach liegen aus psychiatrischer Sicht keine Hinweise auf Verhandlungsunfähigkeit oder eine ernste Gefahr für die Gesundheit des angeklagten Tunesiers vor, so der Richter am Donnerstagvormittag. 

Die Verteidiger hatten vor der Prozesspause vor einigen Wochen erklärt, ihr Mandant habe wegen der psychischen Belastung durch die Trennung von den Kindern und der eingereichten Scheidung seiner Frau gesundheitliche Probleme. Wie schon ein Amtsarzt zuvor, hält auch der psychiatrische Gutachter den Angeklagten für voll verhandlungsfähig.

11. Verhandlungstag

Im Prozess gegen die mutmaßlichen Rizin-Bomber von Köln haben am Freitag Nachbarn und Bekannte des angeklagten Ehepaars als Zeugen ausgesagt. Demnach soll der Hauptangeklagte Tunesier schon lange vor der Festnahme durch islamistische Kleidung und Äußerungen aufgefallen sein. Ein Nachbar berichtete beispielsweise davon, dass der Mann bei einem der häufigen Ehestreitereien immer wieder das Wort "IS" gerufen habe. Und erklärt habe, das sei hier keine Demokratie, das sei der Islamische Staat.  

Zwei andere Zeugen berichteten, dass sie Angst vor dem Angeklagten gehabt hätten. Der Tunesier habe oft beispielsweise für den IS-typische Kleidung oder einen entsprechenden Bart getragen. Die Verteidiger verwiesen darauf, dass der Mann den vermeintlich radikalen Bart freiwillig wieder abrasiert hätte. Ein radikaler Muslim hätte das nie getan. 

Beide Angeklagten haben sich zu den konkreten Vorwürfen noch nicht geäußert. Ihnen drohen Freiheitsstrafen von bis zu 15 Jahren.

Der Tunesier und seine deutsche Ehefrau müssen sich in Düsseldorf vor dem Staatsschutzsenat wegen möglicher islamistischer Anschlagspläne verantworten. Sie sollen versucht haben, eine Bombe mit dem Biokampfstoff Rizin zu bauen und so möglichst viele Menschen zu töten.

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