
WM 2026: Zwischen Vorfreude und Skepsis
Die Fußball-WM in Nordamerika lockt Millionen Fans vor die Bildschirme. Aber für Gastronomen in NRW ist diese WM eine echte Herausforderung. Zeitverschiebung, Kostenkalkulation und unterschiedliche Regeln machen die Planung stellenweise schwierig.
Veröffentlicht: Dienstag, 12.05.2026 13:31
Das ganze Interview mit Thorsten Hellwig vom DEHOGA NRW
Im Interview mit José Narciandi erklärt Thorsten Hellwig vom DEHOGA NRW, warum die WM 2026 für die Gastronomie kein Selbstläufer ist. Der Verband-Sprecher spricht über späte Anstoßzeiten, uneinheitliche Regelungen und die entscheidende Frage: Wie weit kommt die deutsche Nationalmannschaft?
Späte Anpfiffe, leere Kneipen
Wenn Deutschland am 14. Juni um 19 Uhr gegen Curacao antritt, dürften viele Biergärten und Kneipen in NRW voll sein. Doch viele WM-Spiele beginnen deutlich später - manche sogar um drei oder vier Uhr morgens. Für die Gastronomie sind diese Partien schlicht unattraktiv. Thorsten Hellwig vom DEHOGA NRW sagt es klar:
„Spiele, die mitten in der Nacht beginnen - und da meine ich nicht zehn Uhr, sondern tatsächlich drei Uhr, vier Uhr - die werden für die Gastronomie relativ uninteressant sein."
Das Fenster, das für Wirte wirklich zählt, liegt zwischen 19 und 22 Uhr. Alles danach ist wirtschaftlich kaum darstellbar.
Kein Vergleich zur Heim-EM
Wer auf eine Neuauflage des Sommermärchens von 2024 hofft, wird enttäuscht werden. Die Europameisterschaft im eigenen Land war ein Sonderfall: Spiele vor der Haustür, Fans aus ganz Europa, volle Lokale von morgens bis mitternachts. Diese WM ist strukturell eine andere Veranstaltung. Hellwig zieht die Grenze deutlich:
„Die Europameisterschaft (...) im eigenen Land - das hatte einen ganz anderen Impact auf die Gastronomie."
Die Zeitverschiebung zu Nordamerika verändert nicht nur die Anstoßzeiten - sie verändert das gesamte Erlebnis für Gäste und Gastronomen gleichermaßen.
Leicht unterschiedliche Regeln in den Kommunen
Bund und Land haben den rechtlichen Rahmen gesetzt: Spiele, die zwischen 6 und 22 Uhr beginnen, dürfen auf genehmigten Außenflächen übertragen werden - auch wenn sie in Verlängerung oder Elfmeterschießen gehen. Doch die konkrete Umsetzung liegt bei den Kommunen. Das Ergebnis: Von Stadt zu Stadt gelten oft unterschiedliche Regeln. Hellwig beschreibt die Lage so:
„Der Rahmen ist gesetzt durch Bund und Land. Er muss gefüllt werden von den Kommunen. Und das wird sehr unterschiedlich gehandhabt."
Spitzer Stift statt Euphorie
Am Ende ist es eine Frage der Wirtschaftlichkeit. Lizenzen für die Übertragung, höhere Personalkosten für Spätschichten, Investitionen in Technik und Leinwände - das alles muss sich rechnen. Hellwig bringt die Stimmung in der Branche auf den Punkt:
„Das ist nicht so ein selbstverständlicher Selbstläufer wie vor zwei Jahren bei der Euro 24 im eigenen Land. Die Zeiten sind wirtschaftlich härter geworden. Insofern guckt da jeder mit spitzem Stift auf noch dazukommende Kosten."
Ob sich der Aufwand lohnt, hängt letztlich an einer einzigen Frage: Wie weit kommt die deutsche Nationalmannschaft?
Autor: José Narciandi

