Aktion Sendepause - Ohne Kunst & Kultur ist's still

"Ohne uns wird's still" - dieses Statement schmückt immer mehr Profilbilder von Kunst- und Kulturschaffenden in sozialen Netzwerken und das nicht ohne Grund: Der Branche geht es schlecht, sehr schlecht! Die Corona-Pandemie sorgt für tiefe finanzielle Einschnitte. Für die Betroffenen ist es daher nach monatelangen Verdienstausfällen an der Zeit, ein gemeinsames Zeichen im großen Stil zu setzen und das heißt: "#AlarmstufeRot - Aktion Sendepause!" - auch Radio Köln macht mit. Was genau dahinter steckt, das lest ihr hier.


Am Montag (30.11.2020) setzen wir für eine Minute lang unser Programm aus. Ab 8.15 Uhr hört ihr dann ein leises Pochen: "Bumbum, bumbum,..." - den Herzschlag der Branche. Aber wie lange wird das Herz noch seinen Rhythmus beibehalten? TV-Stationen und Radio-Sender in ganz Deutschland unterstützen die Aktion und auch wir folgen damit dem Aufruf von Barbara Senator und Maidline Aurie stellvertretend für unzählige Kunst- und Kulturschaffende, den ihr hier in voller Länge lesen könnt!

Der offene Brief - #AlarmstufeRot:

Liebe TV- und Rundfunk Sendeanstalten, liebes Publikum,

wir wenden uns heute stellvertretend für unzählige KünstlerInnen und Kulturschaffende und im Namen der gesamten Veranstaltungsbranche mit der großen Bitte an Sie, uns zu unterstützen, indem sie uns eine symbolische “Schweigeminute” Ihrer Sendezeit schenken. Damit wir ein gemeinsames, solidarisches Zeichen in die Welt senden! Denn es betrifft uns alle, wenn Kunst & Kultur fehlen.

Wir betonen, dass es uns mit dieser Aktion nicht um einen erneuten Aufruf zu finanzieller Unterstützung geht, denn wir wissen, dass hier bereits aktive Verhandlungen seitens des Bündnisses "Alarmstufe Rot" geführt werden. An dieser Stelle möchten wir uns im Namen aller Betroffenen beim gesamten Team der „Alarmstufe Rot“ von ganzem Herzen für ihren unermüdlichen Einsatz bedanken. Unser Anliegen, weshalb wir Sie gezielt ansprechen, ist jedoch einer weiteren wichtigen Komponente geschuldet. Einer Komponente, welche durch den Wegfall von Kunst & Kultur einen mindestens ebenso erheblichen Schaden anrichtet, wie das Fehlen von etwaiger finanzieller Unterstützung. Wir sprechen hier von den psychischen und seelischen Auswirkungen. Den Auswirkungen, die mit keinem Geld der Welt geheilt werden können, wenn uns Kulturschaffenden die Luft zum Atmen fehlt und der gesamten Gesellschaft ihr "Klebstoff", ihr Resonanzgefüge, ihre Reibungs- und Reflexionsfläche, ihr Alltagsballastentsorger und so vieles mehr.

Kunst & Kultur sind "Ausdruck des menschlichen Daseins". Ohne sie und ohne den Austausch mit ihr und unseren Mitmenschen, auch außerhalb unserer eigenen vier Wände z.B. in der kleinen geliebten Bar, wo im Hintergrund schummrig Musik läuft, in den Theatern, den Konzertsälen, den Clubs, Opern, Festivals usw., verkümmern wir. Denn, wohin mit all den ungelebten Emotionen?! Wir möchten hier das Kind beim Namen nennen: durch diese beispiellose Perspektivlosigkeit entstehen noch schneller Depressionen - die ersten vermehrten Suizide, auch in unserer Branche, gab es bereits. Und nicht jeder hat die Resilienz und Stärke, dies alles unbeschadet durchzustehen.

Gerade in Zeiten wie diesen ist unsere Gesellschaft auf Zusammenhalt, das Händereichen und das große Miteinander immens angewiesen. Die Starken stützen die Schwächeren. Und auch wir können und müssen unseren Beitrag hierzu leisten.Dafür braucht es natürlich ein gewisses Grundvertrauen in unsere Kompetenzen, in die Kraft unseres Wirkens, so wie sie auch anderen Branchen zugestanden und entgegengebracht wird. Es wurden seitens der Veranstaltungswirtschaft und der Gastronomie (zwei sehr professionellen Branchen) sehr gut funktionierende Hygienekonzepte erarbeitet, um zumindest ein Minimum an Kunst und Kultur und damit ein ansatzweise normales Leben für uns ALLE zu ermöglichen. Nachweislich finden die meisten Infektionen eher bei unkontrollierten Zusammenkünften im privaten Rahmen statt – der Veranstaltungssektor trug bislang aber nur unwesentlich zum Infektionsgeschehen bei.

Wir, die wir keine Lobby haben, aber seit Beginn der Pandemie neben dem Hotel- und Gaststättengewerbe am massivsten unter den auferlegten Maßnahmen zu leiden haben und nun, nach dem erstmaligen Luftholen über die Sommermonate erneut komplett in die Knie gezwungen wurden, bitten Sie daher um Hilfe.

Die eingangs erwähnte “Schweigeminute” bzw ”Sendepause“ kann, wenn sie real wird, eine große Außenwirkung und Aufmerksamkeit für unser Anliegen erzielen, um zu versinnbildlichen, dass Kunst & Kultur vielleicht nicht im klassischen Sinne systemrelevant, aber dafür absolut gesellschaftsrelevant sind.

Darum richten wir unseren Appell an Sie: Unterstützen Sie unser Anliegen, indem sie gemeinsam am Montag, dem 30.11.2020 bis zu einer Minute SENDEPAUSE (Radio: 8.15 Uhr / TV: 20.15 Uhr) einlegen. Ebenso würden wir uns freuen, wenn Sie (wie bereits z.B das ZDF Morgenmagazin mit Dunja Hayali, der MDR - Mitteldeutscher Rundfunk mit seiner Kulturwoche oder Radio bigFM) Thementage oder -blöcke senden könnten, um auf unsere mehr als prekäre gesamtgesellschaftliche Situation aufmerksam zu machen.

Eine vergleichbare Aktion gab es in der Form noch nicht und wir könnten so ein sehr weitreichendes Zeichen setzen. Denn es würde zum Nachdenken anregen und birgt die Chance und Hoffnung, zu realisieren, was uns ALLEN verloren geht ohne Kunst & Kultur. Wir erwarten von der Politik, dass sie sich (abgesehen von den finanziellen Lösungsansätzen) auch mit den bereits ausgearbeiteten Hygienekonzepten der Veranstaltungswirtschaft neu auseinander und mit den entsprechenden Vertretern unser Branche an einen Tisch setzt, um den Kulturschaffenden UND der Gesellschaft ein dauerhaftes Licht im Dunkeln zu ermöglichen.

An dieser Stelle möchten wir Till Brönner zitieren:

„Ich denke, es ist an der Zeit mal klarzustellen, worüber wir gerade sprechen. Denn hier geht es nicht um Selbstverwirklicher, die in Ihrer Eitelkeit gekränkt sind. Es geht um uns alle. (…) Und damit hier kein Mißverständnis aufkommt: Wir alle wollen uns schützen und geschützt werden vor diesem verdammten Virus. Aber wenn ein gesamter Berufszweig gezwungen ist, seine Arbeit zum Schutze der Allgemeinheit ruhen zu lassen, dann muss doch die Allgemeinheit auch dafür sorgen, dass diese Menschen nach Corona noch da sind!“

Und genau darum geht es! Wir brauchen dringend ein Zeichen an die Allgemeinheit. Und wir brauchen es JETZT! Denn wie Till Brönner weiter in seiner Brandrede sagte: „Wie wäre es, wenn einfach mal drei Tage der Ton abgedreht oder das Radio keine Musik spielen würde?“

In diesem Sinne erbitten wir von Ihnen lediglich eine Minute für uns ALLE und dies von ganzem Herzen und mit der höchstmöglichen Eindringlichkeit!

Denn schlussendlich sind Sie, liebe TV- und Rundfunksendeanstalten, ja auch Kulturschaffende und (Weiter-)Träger von Kunst & Kultur. Welche Radiosendung ohne Musik? Welcher Fernsehsender ohne Schauspiel und Unterhaltung durch uns KulturERschaffende?!

Deswegen - lasst uns ALLE GEMEINSAM ein ZEICHEN DER SOLIDARITÄT UND GEMEINSCHAFTLICHKEIT senden!

Von Herzen vielen Dank im voraus für jedwede Unterstützung!

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Stellvertretend, im Namen unzähliger KünstlerInnen und Kunst- und Kulturschaffenden inklusive der zahlreichen Bereiche für die gesamte Veranstaltungsbranche, gezeichnet:

Für den Bereich U - Musik:

Alexander Klaws | Anni Perka | Alexander Hacke & Danielle de Picciotto | Alin Coen | Ali H | Alex Diehl | Beatsteaks | Baby Kreuzberg | BenjRose | Benson | Bengio | Bo Shannon | BRKN | Brunhilde | Chaoze One | Christian Bruhn | Celina Bostic | Christina Lux | Culcha Candela | Diane Weigmann | DONOTS | Enno Bunger | Fetsum | Finna | Flonske | Florian Galow | Géraldine Olivier | Hannes Wittmer | HÖHNER | Illute | Johanna Mross | Jovanka von Wilsdorf | Katja Ebstein | Klaus Spangenberg | Lanny Lanner | Lennart Schilgen | Liv Solveig | Liam Mour | Lot | Luis Baltes | MALONDA | Maidline Aurie | Marusha | Marialy Pacheco | Matze Rossi | Max Buskohl | More Than Words Band | Molley | NKSN | Odeville | Pasquale Aleardi & Die Phonauten | Pelemele | Purple Schulz | Raketen Erna | REZET | Ronny Gander | Sarah Lesch | Sasha | Schrottgrenze | SCHWARZ | Sebastian Krumbiegel | Sookee / Sukini | Stefanie Hertel | STOPPOK | Sonja Wiegand | Teesy | The Dead Lovers | The New Roses ...

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Für den Bereich Schauspiel/Theater, Autoren/Illustratoren, Comedians, Moderatoren, Radio & TV und Personen des öffentlichen Lebens:

Adina Vetter | Andreas Rebers | Anja Kling | Annette Frier | Bodo Wartke | Christine Prayon | Claus Theo Gärtner | Gaby Köster | Gregor Marstaller | Heiko Fischer | Henry Hübchen | Holger Stockhaus | Manfred Lehmann | Ilja Richter | Jasmin Tabatabai | Jasmina Kuhnke | Jutta Speidel | Kai Schumann | Katja Riemann | Khalid Bounouar | Marie Bäumer | Martin "Maddin" Schneider | Mehrdad Zaeri | Micha Fritz | Michael Klich | Mirja Boes | Nadja Becker | Oliver Mascucci | Pasquale Aleardi | Ralf Richter | Rufus Beck | Sandra Borgmann | Simone Solga | Tahnee | Tea Loewe | Linus Volkmann ...

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Für den Bereich Klassik:

Barbara Senator | Camilla Nylund | Christian Franz | Constantin Trinks | Cornelius Meister | Daniel Behle | Dietmar Schwarz | Günther Broissböck | Hartmut Haehnchen | Henschel Quartett | Jörg-Andreas Bötticher | Kai Wessel | Maike Menningen | Maria Ricarda Wesseling | Marina Prudenskaya | Mennan Berveniku | Okka van der Damerau | Olga Scheps | Peter Konwitschny | Raed Jazbeh | Rainer Mühlbach | Simone Kermes | Stefan Mickisch | Thomas Rösner | Tobias Wolff | Tomas Netopil | Uwe Eric Laufenberg...

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Diese Aktion wird u.a. unterstützt und befürwortet von:

#Kulturgesichter | Berlin Music Commission | Music Women Germany und der AlarmstufeRot - Initiativen & Verbände der Veranstaltungswirtschaft

Zum Download:

Das passende Musikvideo dazu: