Aktive Sterbehilfe für junge Frau spaltet Spanien

Kerze im Dunkeln
© Elisa Schu/dpa

Sterbehilfe

Madrid (dpa) - Der bevorstehende Tod einer jungen Frau durch aktive Sterbehilfe sorgt in Spanien für heftige Debatten. Die 25 Jahre alte Noelia Castillo soll am Abend in einem Krankenhaus in Barcelona auf eigenen Wunsch und gegen den Willen ihrer Eltern eine tödliche Spritze erhalten. Die Katalanin hat eine Querschnittlähmung, die auf einen Suizidversuch nach sexuellen Übergriffen im Jahr 2022 zurückgeht.

Castillo ist die jüngste Person, die in Spanien seit der Legalisierung vor knapp fünf Jahren aktive Sterbehilfe in Anspruch nimmt. Dies und auch die Tatsache, dass - anders als bei typischen Sterbehilfe-Fällen - ein psychisches Leiden nach schwerem Trauma eine zentrale Rolle in diesem Fall spielt, löste viel Kritik unter anderem von konservativen Politikern und der katholischen Kirche aus.

«Ich kann nicht mehr mit all dem, was mich in meinem Kopf quält, was ich erlebt habe», hatte Castillo am Mittwoch in einem Interview des Fernsehsenders «Antena 3» gesagt. Sie wolle «endlich gehen, aufhören zu leiden» und sich «endlich ausruhen», sagte sie mit leiser, aber fester, sicherer Stimme.

Parteisprecherin «total erschüttert»

Wenige Stunden vor dem Vollzug bedauerte die Spanische Bischofskonferenz (CEE), dass «heute in Spanien der Tod als Lösung für Leid dargestellt wird». Die CEE sprach auf der Plattform X von einer «Wohlstandsgesellschaft», die «unfähig ist, zu pflegen und zu lieben». Konferenzpräsident Luis Argüello sagte: «Ein Arzt darf nicht zum ausführenden Arm eines Todesurteils werden, so legal, selbstbestimmt und mitfühlend es auch erscheinen mag.»

Als «absolutes Drama» bezeichnete vor Journalisten die Sprecherin der konservativen Volkspartei PP von Oppositionsführer Alberto Núñez Feijóo, Ester Muñoz, den Fall. Sie sei «total erschüttert». Der Staat habe versagt, fügte sie in einem Beitrag auf X an. Der Fall müsse die Gesellschaft dazu bringen, viele Dinge zu überdenken.

Aktive Sterbehilfe, also eine Tötung auf Verlangen, ist in Spanien für Erwachsene mit unheilbarem oder unerträglichem Leiden seit 2021 erlaubt. Während die Gegner der Anwendung in solchen Fällen vor ethischen Risiken insbesondere bei psychischen Leiden warnen, sehen Befürworter unter anderem in der linksgerichteten Regierung darin eine Bestätigung des Rechts auf Selbstbestimmung.

In Deutschland strafbar

Dem Antrag auf Sterbehilfe war von den zuständigen Behörden der Region Katalonien bereits im Sommer 2024 stattgegeben worden. Der Vater hatte mit Unterstützung des Verbandes Christlicher Anwälte versucht, die Durchführung zu verhindern. Doch alle Instanzen, darunter der Oberste Gerichtshof und das Verfassungsgericht in Spanien sowie zuletzt diese Woche auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR), wiesen seine Beschwerden zurück.

Aktive Sterbehilfe ist in Deutschland strafbar. Erlaubt ist aber der Abbruch lebenserhaltender Maßnahmen, wenn das dem Willen des Patienten entspricht. Gleiches gilt für indirekte Sterbehilfe. Davon wird gesprochen, wenn es um die Schmerzlinderung geht und Patienten infolge der Medikamente früher sterben. Auch die Beihilfe zur Selbsttötung ist straffrei - sie kann in der Beschaffung oder Bereitstellung eines tödlichen Mittels bestehen, das der Patient allerdings selbst einnimmt.

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