Blindgänger gefunden – Was tun? Unser FAQ

(FW/KU | Symbolbild) Jedes Jahr werden in Köln dutzende alte Kampfmittel gefunden. Meistens sind es Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg, die dann auch größere Evakuierungen und Straßensperren nötig machen. Wie läuft eine Evakuierung ab? Was müssen Anwohnende wissen und wer hilft ihnen? Unser FAQ.

© Radio Köln/ Waltel

Die Evakuierung

Warum muss überhaupt evakuiert werden?

Geht bei der Entschärfung etwas schief, drohen Menschen innerhalb des Gefahrenbereiches Verletzungen etwa durch Splitter und Glas. Durch die Druckwelle kann auch die Lunge verletzt werden. Wer sich weigert den Bereich zu verlassen, muss mit Bußgeldern und anderen Strafen rechnen.

Wie läuft eine Evakuierung ab?

Hat der Kampfmittelbeseitigungsdienst den Evakuierungsbereich festgelegt, beginnen die Mitarbeitenden des Ordnungsdienstes mit ihrem ersten Klingeldurchgang. Das heißt, sie gehen von Haustür zu Haustür und fordern die Menschen auf, den Bereich zu ihrer eigenen Sicherheit zu verlassen. Später wird das Ganze bei einem zweiten Klingeldurchgang kontrolliert. Je schneller die Evakuierung abgeschlossen ist, desto schneller kann das Entschärferteam an die Arbeit und alle wieder nach Hause.

Bin ich überhaupt betroffen?

Die Stadt Köln veröffentlicht den genauen Evakuierungsradius, sobald dieser feststeht. Auch auf unserer Homepage und unserer Radio Köln-Facebook-Seite könnt ihr euch diese Grafik anschauen. Trotzdem gibt es vor allem in den Veedeln mit vielen Wohnungen manchmal Grenzfälle. Ob eure Hausnummer in so einem Fall tatsächlich zum Evakuierungsbereich zählt oder doch außerhalb liegt, könnt ihr bei der Service-Hotline unter 0221 – 221-32000 abfragen.

Ich bin selber nicht betroffen, suche aber Angehörige, wer hilft mir?

Das Amt für öffentliche Ordnung der Stadt Köln kann bei der Suche nach Angehörigen nur helfen, wenn diese die Anlaufstelle aufgesucht haben. Am einfachsten findet ihr das heraus, in dem ihr am Empfang der Anlaufstelle nachfragt. Es gibt grundsätzlich auch hier unter der 0221 – 221-32000 eine Service-Hotline für Bürgerinnen und Bürger.

Ab wann muss ich meine Wohnung oder meinen Arbeitsplatz verlassen?

Droht keine akute Gefahr, könnt ihr spätestens nach dem ersten Klingeldurchgang in Ruhe eure Sachen packen. Geld, Handy sowie Ausweis und Ähnliches solltet ihr lieber mitnehmen. Und auch nochmal kontrollieren: Ist der Herd wirklich aus? All das könnt ihr ohne Hektik erledigen, aber denkt auch daran: Je schneller die Evakuierung durch ist, desto schneller kann es auch mit der Entschärfung losgehen.

Zahlt jemand meine Ausfälle, wenn ich zum Beispiel selbstständig bin und zu Hause arbeite oder ein Geschäft im Evakuierungsradius habe?

Nein. Einen Anspruch auf Schadenersatz, Ausfall oder Ähnliches sieht der Gesetzgeber nicht vor. Die Entschärfung von Bombenblindgängern gilt der allgemeinen Gefahrenabwehr.

Wie erfahre ich, dass ich wieder zurück in meine Wohnung kann?

Am einfachsten über uns. Radio Köln ist der offizielle Katastrophenschutz-Sender für das Kölner Stadtgebiet. Das heißt: Kommt es zu einem Zwischenfall in einem Chemiewerk oder muss die Bevölkerung gewarnt werden, informieren wir euch zusammen mit der Feuerwehr und der Stadt. Auch bei Entschärfungen sind wir deshalb für euch ganz nah dran - auf der Antenne, via Twitter und Co. oder hier auf radiokoeln.de.

Die Anlaufstelle

Brauche ich einen Ausweis, um in die Anlaufstelle zu gelangen?

Besser ist das. Es reicht aber auch ein Führerschein, eine EC-Karte oder Ähnliches, zum Beispiel die Krankenkassenkarte. Generell möchte das Amt für öffentliche Ordnung der Stadt Köln sicherstellen, dass nur Menschen in die Anlaufstelle kommen, die von der Evakuierung auch wirklich betroffen sind. Außerdem ist es in Zeiten der Corona-Pandemie auch wichtig nachzuverfolgen, wer sich in der Anlaufstelle, wann und wie lange aufgehalten hat, um mögliche Infektionen nachzuverfolgen. Wer keinen Ausweis dabei hat, muss aber nicht befürchten, abgewiesen zu werden.

Darf ich Haustiere mitbringen?

Generell dürfen keine Haustiere mitgebracht werden. Das Ordnungsamt und die Hilfsorganisationen können aber manchmal einen separaten Bereich für Menschen und ihre Haustiere schaffen. Eine Garantie dafür gibt es leider nicht, denn das hängt von der Art der Anlaufstelle ab. Können zum Beispiel Hunde mitgebracht werden, erfahrt ihr das bei uns oder bei der Service-Hotline des Ordnungsamtes, der 0221 - 221-32000.

Was mache ich, wenn ich meine Medikamente vergessen habe?

Solltet ihr Medikamente vergessen haben bzw. Medikamente benötigen, dann könnt ihr euch an die Mitarbeitenden des Ordnungsdienstes bzw. die Mitarbeitenden der Hilfsorganisationen in der Anlaufstelle wenden. Sie werden mit euch Lösungen finden.

Werde ich in der Anlaufstelle versorgt?

Ja, ihr bekommt in der Regel etwas zu essen und zu trinken. Auch Sanitäranlagen sind vorhanden. Je nach Art der Anlaufstelle gibt es aber Unterschiede in der Logistik. Die Hilfsdienste bemühen sich auch, eine warme Mahlzeit anzubieten, wenn es mal länger dauert. 

Könnte ich auch in der Anlaufstelle übernachten?

Die Entschärfung von Blindgängern kann länger dauern, ggf. auch bis tief in die Nacht. So lange werdet ihr auch in der Anlaufstelle versorgt. Ein Feldbett könnt ihr zwar nicht erwarten, aber Stadt und Hilfsdienste haben sich in der Vergangenheit immer bemüht, Liegemöglichkeiten anzubieten – gerade für ältere Menschen. Übernachten ist also nicht das richtige Wort, aber ihr habt für die Dauer der Entschärfung auf jeden Fall ein Dach über dem Kopf.

Gibt es W-LAN in der Anlaufstelle?

Nur, wenn ihr Glück habt. Einen Anspruch darauf habt ihr nicht, aber in Köln gibt es durchaus Anlaufstellen, die zum Beispiel einen Zugang zum Netz haben.

Besonderheiten wegen Corona

Ich habe Symptome einer Erkältung, Corona oder eine echte Grippe, was mache ich?

Ihr sagt Bescheid! In Zeiten der Corona-Pandemie, aber auch generell, ist es wichtig, dass ihr die Mitarbeitenden vom Ordnungsdienst, den Hilfsorganisationen oder des Rettungsdienstes der Feuerwehr darauf hinweist, dass ihr Krankheitssymptome, z.B. eine Erkältung oder Grippe, aufweist. Die Stadt appelliert: "Kommt mit solchen Symptomen nicht zur Anlaufstelle, sondern meldet euch beim Ordnungsdienst. Dann werden die richtigen Schritte für euren und den Schutz der anderen eingeleitet."

In so einem Fall werdet ihr etwa isoliert mit einem Rettungswagen abgeholt und in einem gesonderten Bereich der Anlaufstelle untergebracht. Sollte das nicht möglich sein, holt euch der Rettungswagen kurz vor der Entschärfung ab, und ihr wartet dann in dem Wagen, bis die Entschärfung vorbei ist.

Ich bin in Quarantäne - und jetzt?

Macht euch bitte bei den Mitarbeitenden des Ordnungsdienstes bemerkbar, wenn sie bei euch klingeln. Ihr müsst ihnen dann mitteilen, dass ihr in einer vom Gesundheitsamt der Stadt Köln verordneten Quarantäne seid. Dann werden die richtigen Schritte eingeleitet, um euch und die anderen bestmöglich zu schützen. Das Amt für öffentliche Ordnung prüft zum Beispiel, ob ihr in der tagesaktuellen Quarantäne-Liste für den Evakuierungsbereich bereits erfasst seid. Dann gilt auch im Falle einer Quarantäne: Abholung mit dem Rettungswagen und Unterbringung in einem gesonderten Bereich in der Anlaufstelle, oder im Wagen darauf warten, dass die Entschärfung vorbei ist.

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