Europa fürchtet die Rache - wie mit Trump umgehen?
Veröffentlicht: Sonntag, 03.05.2026 11:41

Transatlantische Beziehungen
Berlin (dpa) - Wenn US-Präsident Donald Trump drakonische Maßnahmen gegen Europa ankündigt, ist der Zeitpunkt meist nicht zufällig: Häufig reagiert er auf Aussagen, die ihn verärgert haben. Auch bei den Ankündigungen höherer Zölle auf Auto-Exporte und einen teilweisen Truppenabzug liegt dieser Verdacht nahe. Diesmal könnten kritische Aussagen des deutschen Kanzlers Friedrich Merz (CDU) der Auslöser gewesen sein.
Doch welche Strategie ist die richtige im Umgang mit Trump?
Die Methode Rutte: Das Einschmeicheln
Der niederländische Nato-Generalsekretär Mark Rutte steht für die Taktik, Trump über den grünen Klee zu loben. Dass er ihn sogar «Daddy» nannte, wollte Rutte dann doch nicht so stehenlassen, aber in die Geschichtsbücher wird wohl diese Aussage von ihm eingehen: «Donald, Du hast uns zu einem wirklich, wirklich wichtigen Moment für Amerika, Europa und die Welt geführt. Du wirst etwas erreichen, was kein amerikanischer Präsident seit Jahrzehnten geschafft hat.» Ziel der Bauchpinselei ist es, dass es nicht zu einem Nato-Austritt der USA kommt. Das hat Rutte - bisher - tatsächlich geschafft.
Die Methode Sánchez: Die harte Kante
Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez hat einen anderen Weg gewählt, entweder aus Überzeugung oder aus dem Kalkül, dass bei Trump Sympathie jederzeit auch ins Gegenteil umschlagen kann und der Präsident Widerspruch am Ende mehr respektiert als Komplimente. Im Iran-Krieg untersagte Sánchez den USA, spanische Militärbasen für den Einsatz zu nutzen.
Trump tobte erwartungsgemäß und drohte Spanien mehrfach mit Strafen. Sánchez sagte, «blinder und unterwürfiger Gehorsam» sei kein Ausdruck von Führung. Diese Haltung lässt ihn ohne Zweifel als selbstbewusst dastehen, aber geht diese Strategie auch für einen der «Big Player» in Europa auf?
Die Methode Merz: Mal so, mal so
Deutschland muss als Exportnation und Wirtschaftsmotor Europas amerikanische Rache-Aktionen besonders fürchten. Kanzler Merz hat daher bei seinen Besuchen im Weißen Haus auf Diplomatie gesetzt - aufgeschlossen bei offiziellen Auftritten, klar in der Sache im privaten Gespräch. Und wenn er sich in Deutschland äußert, ist er öfter mal kritisch gegenüber Trump.
Doch im Zeitalter von YouTube und Social Media kommen dem Präsidenten auch solche Äußerungen in der Ferne zu Ohren: Merz' Formulierungen zum Iran-Krieg im Gespräch mit Schülern im heimatlichen Sauerland waren es wohl, die Trump jetzt in Rage brachten: Merz habe «keine Ahnung» und sei Regierungschef in einem «kaputten Land». Es folgte die Androhung eines Truppenabzugs.
Die Methode Charles: Mit Augenzwinkern
Kaum jemand hätte erwartet, dass der König im Umgang mit dem Präsidenten den bisher vielleicht erfolgreichsten Ansatz gefunden hat: Mit halb-ironischen Anekdoten, wie sie typisch sind für den britischen Humor, nahm er bei seinem Besuch in der vergangenen Woche indirekt die US-Regierung aufs Korn, wirkte dabei sympathisch und sprach sich gleichzeitig als Europäer klar für die Unterstützung der Ukraine und Maßnahmen gegen den Klimawandel aus.
Andere hätten mit diesen Aussagen wohl Unmut oder Spott ausgelöst, doch Trump blieb eher zahm. Kann vielleicht nur ein König ihm Kontra geben? Auch diese Frage bleibt wohl zunächst offen - und das Ringen um die richtige Strategie für Europa geht weiter.






