Getöteter Zugbegleiter - Ermittler werten Videos aus Zug aus
Veröffentlicht: Donnerstag, 05.02.2026 04:29

Diskussion um Sicherheit
Mainz (dpa) - Nach dem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter bei einer Ticketkontrolle in Rheinland-Pfalz gehen die Ermittler den noch offenen Fragen nach. So werten sie unter anderem Videoaufzeichnungen aus dem Zug aus, in dem es am frühen Montagabend zu der Tat gekommen war. Das genaue Motiv ist weiter unklar, der Verdächtige schweigt bislang.
Ein 36 Jahre alter Bahnmitarbeiter hatte in einem fahrenden Regionalexpress nahe Kaiserslautern einen allein reisenden Mann kontrolliert, der kein gültiges Ticket hatte. Nach Angaben der Polizei forderte der Zugbegleiter den 26 Jahre alten Fahrgast deshalb zum Verlassen des Zuges beim nächsten Halt in Homburg auf. Den bisherigen Ermittlungen zufolge schlug der Mann daraufhin den Zugbegleiter zufolge unvermittelt und mehrmals heftig mit den Fäusten.
Täter polizeilich bislang unauffällig
Zugbegleiter Serkan C. verlor das Bewusstsein, musste reanimiert werden und starb eineinhalb Tage später in einer Klinik in Homburg. Todesursache war laut Obduktionsergebnis eine Hirnblutung als Folge von stumpfer Gewalt gegen den Kopf. Ein Messer oder andere Gegenstände seien bei der Tat nicht verwendet worden.
Der mutmaßliche Täter, ein Grieche, der nach eigenen Angaben seinen Wohnsitz in Luxemburg hat, wurde kurz nach der Tat in Homburg festgenommen und sitzt in Untersuchungshaft. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft war er der Polizei in Deutschland zuvor nicht aufgefallen, er habe keine Vorstrafen.
Die Tat löste deutschlandweit Entsetzen aus. Der Vorsitzende der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), Martin Burkert, forderte einen besseren Schutz für Zugbegleiter. Sie sollten in Regionalzügen immer zu zweit unterwegs sein und nicht allein. Außerdem sollten Bahnmitarbeiter durchgehend Bodycams tragen. Das sind kleine Kameras, die am Körper angebracht werden und aufzeichnen können.
Acht Übergriffe pro Tag auf Bahnmitarbeiter
Die Deutsche Bahn teilte mit, dass es im Jahr 2025 rein rechnerisch pro Tag acht verbale oder auch körperliche Übergriffe auf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Unternehmens gegeben hat. «Die Hälfte der Angriffe betrifft das Zugpersonal im Regionalverkehr. Auf Sicherheitskräfte entfällt gut ein Drittel», sagte ein Bahnsprecher. «Auch Reinigungskräfte oder Servicekräfte am Bahnhof werden Opfer von Angriffen.» Es gebe eigens eine App, um solche Taten zu melden.
Mehr und mehr Mitarbeitende würden daher mit Bodycams ausgerüstet, sofern diese das wünschten. Die Erfahrungen damit seien positiv. «Sie können Konflikt deeskalieren, wenn ein Angreifer sich auf dem Bildschirm sieht.» Auch Trainings zur Deeskalation gehörten beispielsweise zur regelmäßigen Fortbildung der etwa 20.000 Bahnmitarbeiter mit Kundenkontakt. «Aber bei einer derart hemmungslosen Gewalt, wie wir sie jetzt erlebt haben, gibt es keinen hundertprozentigen Schutz», sagte der Bahnsprecher.
Kriminologe: Solche Taten sind selten
Diese Einschätzung teilt auch der Kriminologe Tobias Kulhanek von der Leibniz Universität Hannover. Solche Taten seien auch mit mehr Sicherheitsmaßnahmen nicht zu verhindern. «Wie sollten die auch aussehen?», fragte er. Es könne schlicht nicht in jedem Zugwaggon in Deutschland noch ein Sicherheitsbediensteter sein. Wenn etwa Gewerkschaften nun mehr Sicherheit für Beschäftigte fordern, könne er das nachvollziehen. «Es würde diese Tat aber nicht verhindern, diese Ehrlichkeit gehört auch in die Debatte.»
Eine solche Tat komme selten vor, sie sei von außen betrachtet nicht nachvollziehbar. «Das, was wir hier haben, ist eine völlig unübliche Eskalation einer Fahrkartenkontrolle», sagte Kulhanek der Deutschen Presse-Agentur.



