IHK-Neujahrsempfang rechnet mit Politik ab
Veröffentlicht: Freitag, 09.01.2026 11:22
Smoking, Abendkleid, jede Menge Limousinen und eine Abrechnung mit der Politik. Das war der IHK-Neujahrsempfang am Donnerstagabend in der Flora. Der Empfang markiert traditionell den Start der Stadtgesellschaft ins politische und wirtschaftliche neue Jahr. In Köln gilt der Neujahrsempfang der IHK als ein wichtiges Top‑Ereignis im Kalender der Stadtgesellschaft.
Die Festreden waren eine Abrechnung mit der Politik in Berlin, Düsseldorf aber auch in Köln. IHK-Präsidentin Nicole Grünewald kritisierte eine, wie sie sagte, fehlgeleitete Wirtschaftspolitik, die dringend korrigiert werden müsse. Die Unternehmen am Standort seien schlicht nicht mehr wettbewerbsfähig. Das liege an zu hohen Energiekosten, zu vielen Schulden und einer maroden Infrastruktur.
Das politische System habe sich in eine Richtung entwickelt, die nicht mehr funktionieren könne. Politik bestehe zum Beispiel auch im Kölner Stadtrat zu einem viel zu großen Teil von Abhängigkeiten. Oft genug gehe es nur darum, wer wovon einen Vorteil habe oder welchen Posten besetzen könne, statt um die besten Lösungen.
Ihre Rede begann Grünewald mit einem Seitenhieb auf den letztjährigen Key-Note-Speaker, den damaligen Bundeskanzler Olaf Scholz. Der Satz „im letzten Jahr gab es hier Olafs Märchen, in diesem Jahr Grimms-Fakten“, löste ein Raunen im Saal aus. Denn Hauptsprecherin war diesmal die Wirtschaftsweise der Bundesregierung, Veronika Grimm. Vor mehreren Hundert Gästen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft forderte sie in ihrer Rede von Gesellschaft und Politik mehr Mut. Deutschland müsse sich neu erfinden. Es gehe darum, die „Komfortzone zu verlassen“ und Deutschland zukunftsfähig zu machen, auch mit einer Reform der Sozialsysteme.
Erfolgreiche Wirtschaftspolitik mit neuen Allianzen seien auch für die dringend nötige Wehrhaftigkeit zwingend. Europa könne im westlichen Bündnis nur dann ein relevanter Akteur sein, wenn es mehr in die gemeinsame Verteidigung investiere. Deutschland müsse seine „Selbstblockade“ aufheben und auch mit mehr Risiko in Schlüsseltechnologien zum Beispiel der Medizin, der KI und der Verteidigung, aber auch in Bildung investieren. (FW|PR)


