NRW-Landtagswahl: Ein Jahr vor der Entscheidung
Veröffentlicht: Mittwoch, 29.04.2026 16:14
Noch ist Zeit bis zur Landtagswahl am 25.April 2027 in NRW. Zentrale Trends und Konfliktlinien sind aber schon erkennbar.
Welche Themen den Wahlkampf prägen dürften, wer profitieren kann und warum sich das Rennen wohl erst spät entscheiden wird.

Der Run auf die Jung- und Erstwähler
Zum ersten Mal dürfen bei der kommenden Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen auch 16- und 17-Jährige abstimmen - rund 300.000 zusätzliche Wahlberechtigte. Das scheint bei einer Gesamtzahl von 13 Millionen Wahlberechtigten zunächst nicht besonders vier. Aber: Es dürfte den Blick der Parteien auf den Wahlkampf merklich ändern. Themen wie Bildung, Wohnraum und berufliche Perspektiven dürften stärker in den Fokus rücken, weil sie für diese Altersgruppe besonders relevant sind. Auch die Art des Wahlkampfs dürfte sich ändern: Der Wahlkampf wird digitaler und zugespitzter sein und stärker darauf ausgelegt, ob sich aus den Themen digitale Narrative entwickeln lassen.
Gleichzeitig gilt diese Gruppe der Jung- und Erstwähler als politisch weniger festgelegt. Studien zeigen, dass junge Wählerinnen und Wähler häufiger Parteien außerhalb der klassischen Volksparteien wählen. Für CDU und SPD ist das eine Herausforderung - für kleinere oder profiliertere Parteien, wie AfD oder Linke ist eine Chance.
Alltagsthemen stark im Wahlkampf
Schon jetzt zeichnet sich allmählich ab, worum es im Wahlkampf gehen könnte: Wirtschaft, Jobs, steigende Preise und der Wohnungsmarkt. Viele Menschen in NRW spüren die wirtschaftliche Lage unmittelbar - sei es durch unsichere Perspektiven in der Industrie oder durch steigende Kosten im Alltag.
Besonders der Wohnungsmarkt entwickelt sich zur großen Belastung. In vielen größeren Städten wird bezahlbarer Wohnraum zunehmend knapp, vor allem für Auszubildende und Studierende. Diese Themen sind politisch brisant, weil sie direkt die Lebenswirklichkeit der Menschen betreffen. Und nicht nur das: Diese Themen betreffen direkt die Lebensqualität und die Zukunftsgewissheit von Millionen Menschen.
Parteien unter Druck, Lösungen zu liefern
Für die Parteien bedeutet das: Sie müssen konkrete und glaubwürdige Antworten liefern. Die CDU wird versuchen, ihre wirtschaftspolitische Kompetenz zu betonen, während die SPD stärker auf soziale Entlastung setzt. Die Grünen stehen vor der Aufgabe, Klimaschutz und wirtschaftliche Stabilität miteinander zu verbinden.
Die FDP wiederum dürfte vor allem auf Bürokratieabbau und mehr Neubau von Wohnungen setzen. Entscheidend wird sein, wem es gelingt, diese Themen überzeugend zu besetzen und wer den Anschluss an die Sorgen der Wählerinnen und Wähler verliert.

Kein Selbstläufer für Ministerpräsident Wüst
Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) geht mit einem gewissen Amtsbonus ins Rennen. Er gilt als pragmatisch und besonnen, was ihm Vertrauen verschafft. Auch ist er deutlich bekannter, als beispielsweise sein SPD-Herausforderer Jochen Ott. Dennoch ist seine Position keineswegs unangreifbar. Die wirtschaftliche Lage, hohe Energiepreise und politische Konflikte auf Bundesebene belasten auch die Stimmung in NRW.
Hinzu kommen landespolitische Herausforderungen wie Untersuchungsausschüsse zur Regierungsarbeit, die die Opposition nutzt, um Schwächen der Regierung aufzuzeigen. Der Wahlkampf dürfte daher auch stark von der Bewertung seiner bisherigen Amtsführung geprägt sein.

Schwierige Ausgangslage im Parteienfeld
Die Parteien starten mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen. Die CDU liegt in Umfragen vorn, profitiert vom Amtsinhaber, ist aber nicht uneinholbar. Dahinter ist das Feld in Bewegung: AfD und Grüne konkurrieren um die vorderen Plätze, während die SPD mit strukturellen Problemen kämpft.
Auch kleinere Parteien stehen unter Druck. Für die FDP könnte es eng werden mit dem Wiedereinzug in den Landtag, während die Linke Chancen hat, die Fünf-Prozent-Hürde zu überwinden. Das macht die Ausgangslage unübersichtlich und politisch besonders spannend. Eine Umfrage des Umfrage-Instituts Forsa im Auftrag der Tageszeitungen in NRW vermittelt einen guten Eindruck von der Ausgangslage.
Hier geht es zu den Details des NRW-Checks
Viel Bewegung bis zum Wahltag möglich
Trotz aller Trends gilt: Ein Jahr ist in der Politik eine lange Zeit. Nordrhein-Westfalen gilt als „Swing State“, in dem sich viele Wählerinnen und Wähler erst spät und schlecht vorhersehbar entscheiden. Die Erfahrung zeigt, dass sich Wechselstimmungen erst wenige Wochen vor der eigentlichen Wahl zeigen und noch später in Umfragen. Zudem wirkt die Bundespolitik stark in die Landespolitik hinein.
Verändert sich die Stimmung auf Bundesebene, kann das auch die Kräfteverhältnisse in NRW verschieben - in die eine oder andere Richtung. Klar ist schon jetzt: Diese Wahl ist offen wie lange nicht. Und sie könnte am Ende knapper werden, als es heute scheint.
Autor: José Narciandi


