Olympia-Entscheidung in NRW: Millionen stimmen über Bewerbung ab
Veröffentlicht: Montag, 13.04.2026 13:53
Mehr als vier Millionen Menschen in Nordrhein-Westfalen entscheiden in diesen Tagen über eine mögliche Olympia-Bewerbung der Region Köln/Rhein-Ruhr. Die Abstimmung läuft per Brief und endet am Sonntag mit Spannung über Ausgang und Folgen.

Frist läuft: So können Stimmen noch abgegeben werden
Die Zeit wird knapp: Spätestens bis Sonntag, den 19. April um 16 Uhr, müssen alle Stimmen abgegeben sein. Wer seine Briefwahlunterlagen noch nicht verschickt hat, kann sie direkt bei der eigenen Stadtverwaltung einwerfen. In einigen Städten ist auch die Abgabe im Auszählzentrum möglich.
Gewählt wird in insgesamt 17 Städten. Das Ergebnis dürfte noch am Sonntagabend feststehen.
Zwischenstand: Beteiligung bisher mäßig
Eine Woche vor Ablauf der Frist liegt die Wahlbeteiligung je nach Stadt zwischen etwa 20 und 30 Prozent. Spitzenreiter sind Köln mit knapp 34 Prozent und Monheim am Rhein mit einem Drittel Rücklauf. Leverkusen und Aachen melden ebenfalls überdurchschnittliche Beteiligungen. Schlusslichter sind derzeit Herten mit 17 Prozent und Oberhausen mit knapp 20 Prozent. In einigen Kommunen wie Bochum, Krefeld und Pulheim gibt es noch keine aktuellen Zahlen.
Pro Olympia: Chancen für Infrastruktur und Image
Befürworter sehen in Olympia eine große Chance für Nordrhein-Westfalen. Ein zentrales Argument: Fast alle Sportstätten sind bereits vorhanden, Neubauten wären nur in Ausnahmefällen nötig. Einzig ein Leichtathletikstadion im geplanten Kölner Stadtteil Kreuzfeld müsste neu gebaut werden - allerdings nur vorübergehend. Nach den Spielen soll das Gelände zu einem Park mit sozialen Einrichtungen umgestaltet werden.
Zudem könnten Investitionen in Verkehr, Digitalisierung und Stadtentwicklung langfristig Vorteile bringen. Auch der internationale Ruf der Region würde profitieren - ebenso wie Tourismus, Gastronomie und Arbeitsmarkt.
Contra Olympia: Kosten und Risiken im Fokus
Kritiker warnen vor finanziellen Risiken. Erfahrungen aus anderen Austragungsorten zeigen, dass die tatsächlichen Kosten häufig deutlich höher ausfallen als geplant. Im Raum stehen derzeit rund 4,8 Milliarden Euro – ohne Garantie, dass dieses Geld wieder eingenommen wird.
Hinzu kommen Sorgen über steigende Mieten, zusätzliche Verkehrsbelastung und Eingriffe in die Umwelt. Auch Zweifel an Transparenz und Entscheidungsprozessen rund um das Internationale Olympische Komitee werden geäußert.
Konkurrenz: NRW im Wettbewerb mit anderen Städten
Selbst bei einem klaren Ja ist offen, ob NRW tatsächlich ins Rennen geht. Innerhalb Deutschlands gibt es starke Konkurrenz: Hamburg, Berlin und München verfolgen ebenfalls Olympia-Pläne. Dabei fällt auf: Berlin hat keine offizielle Bürgerbefragung durchgeführt. In Hamburg steht sie noch aus – und der Ausgang gilt laut Umfragen als völlig offen.
Der Deutsche Olympische Sportbund will im Herbst entscheiden, welche Bewerbung unterstützt wird. Dabei spielen mehrere Kriterien eine entscheidende Rolle.
NRWs Stärken im Vergleich
Ein Pluspunkt für NRW ist die breite Bürgerbeteiligung: Alle betroffenen Städte lassen abstimmen – anders als etwa in Bayern, wo nur München befragt wurde, nicht aber weitere geplante Austragungsorte wie Augsburg oder Nürnberg.
Auch bei der Nachhaltigkeit punktet NRW: Fast alle Sportstätten existieren bereits. Bei den Entfernungen zwischen den Austragungsorten liegt NRW mit rund 130 Kilometern im Mittelfeld - deutlich besser als Berlin mit gut 300 Kilometern oder Hamburg mit über 400 Kilometern, aber weiter als München, wo die Sportstätten maximal 60 Kilometer auseinanderliegen. NRW profitiert dabei von einem dichten Verkehrsnetz.
Entscheidung mit Signalwirkung
Am Sonntag zeigt sich, ob die Mehrheit der Bevölkerung hinter einer Olympia-Bewerbung steht. Neben der einfachen Mehrheit muss auch ein gesetzliches Quorum erreicht werden: In Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern müssen mindestens 10 Prozent der Wahlberechtigten mit Ja stimmen, in kleineren Kommunen sind es bis zu 20 Prozent.
Das Ergebnis wird zeigen, wie groß die Akzeptanz für ein solches Großprojekt in Nordrhein-Westfalen wirklich ist.
Quellen:
Recherchen
Inhalte aus Pressekonferenzen
dpa