Vereinigte Arabische Emirate treten aus Opec aus

Skyline von Abu Dhabi
© Sina Schuldt/dpa

Energie

Abu Dhabi (dpa) - Es ist ein Schlag für den wichtigsten Öl-Verbund: Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) treten mit Wirkung zum 1. Mai aus der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) und dem Bündnis Opec+ aus. Hintergrund sei eine gründliche Abwägung auch mit Blick auf die andauernden «Störungen im Persischen Golf und der Straße von Hormus», heißt es in einer Erklärung der staatlichen Nachrichtenagentur WAM. 

Die Entscheidung sei getrieben «von nationalen Interessen und dem Ziel des Landes, aktiv zu den dringenden Bedürfnissen des Marktes beizutragen.» Eine genauere Begründung wurde aber nicht genannt. Die Lage in der Straße von Hormus würde die Lieferungen zwar beeinträchtigen, Trends deuteten aber auf einen weiterhin steigenden globalen Energiebedarf hin. Man wolle flexibler auf Marktdynamiken reagieren, hieß es WAM zufolge. 

Opec-Anteil am Ölmarkt sinkt

Die überraschende Ankündigung aus Abu Dhabi ist ein harter Schlag für die Opec und Opec+, ein breiteres Bündnis von Ölförderländern unter der Führung von Saudi-Arabien und Russland. Dieses soll stabile Preise sichern und Überkapazität im Markt verhindern. Mit dem Austritt der Emirate und damit einem der größten Ölproduzenten der zwölf Opec-Staaten sinkt der Anteil der Organisation an den weltweiten Ölmärkten und damit auch die Fähigkeit, Energiepreise zu kontrollieren und nach Möglichkeit stabil zu halten.

Eine Debatte darüber, die Opec zu verlassen, soll in dem Golfstaat schon seit mehreren Jahren laufen. Das «Wall Street Journal» hatte 2023 unter Berufung auf emiratische Regierungsvertreter berichtet, dass es interne Diskussionen über den möglichen Austritt gebe.

Ökonom: Keine unmittelbaren Folgen für globalen Energiemarkt

Der Schritt werde «keine unmittelbaren Auswirkungen auf den globalen Energiemarkt haben», schrieb David Oxley, Ökonom bei Capital Economics, in einer ersten Reaktion. Eine höhere Ölforderung der VAE sei angesichts der weiter bestehenden Sperrung der Straße von Hormus «derzeit eher theoretischer Natur». 

Die Emirate gehörten bislang zu den größten Ölproduzenten der zwölf Opec-Staaten. Bevor der Krieg im Nahen und Mittleren Osten die Fördermengen einbrechen ließ, wurde in den Emiraten im März noch 3,4 Millionen Barrel Öl (je 159 Liter) pro Tag gepumpt – mehr als 16 Prozent der gesamten Opec-Produktion. Bis 2027 ist eine Produktion von 5 Millionen Barrel angestrebt. 

Neue Eskalation gegenüber Saudi-Arabien

Vor allem ist der Austritt eine neue Eskalation gegenüber Saudi-Arabien, das in der Opec und auch am Golf eine führende Rolle einnimmt. Die Emirate und Saudi-Arabien waren lang enge Verbündete, tragen seit einigen Jahren aber auch einen schweren Machtkampf zunehmend offen auf. Sie ringen um wirtschaftlichen Einfluss und unterstützen etwa bei Konflikten Jemen und im Sudan unterschiedliche Seiten.

Die Ankündigung folgt rund zwei Monate nach Beginn des Kriegs der USA und Israels mit dem Iran, bei dem die Emirate aus Vergeltung Teherans besonders stark mit Drohnen und Raketen angegriffen wurden. Die faktische Blockade der Straße von Hormus hat die Möglichkeiten für die Emirate, Öl zu exportieren, stark reduziert. Die großen Einnahmen aus dem Ölexport haben dem Land seit den 1960er Jahren zu viel Wohlstand und Macht verholfen.

Anfang 2019 hatte der regionale Nachbar Katar die Opec bereits verlassen mit der Begründung, als weltweit führender Gasexporteur gebe es keinen Grund mehr für eine Mitgliedschaft.

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