Windkraft-Rekord in NRW – doch die Netze bremsen den Boom

259 neue Anlagen, so viel Leistung wie nie zuvor: Nordrhein-Westfalen erlebt ein Rekordjahr beim Windkraftausbau. Doch während immer mehr Windräder gebaut werden, kommt der Netzausbau kaum hinterher - mit Folgen für Akzeptanz und Energiewende.

Rekordjahr für Windenergie in Nordrhein-Westfalen

Das Interview mit dem Geschäftsführer von LEE NRW

© RADIO NRW

Rekordjahr für Windenergie in Nordrhein-Westfalen

Der Windkraftausbau in NRW hat 2025 einen neuen Höchststand erreicht. Nach vorläufigen Zahlen gingen 259 neue Windenergieanlagen mit einer Bruttoleistung von 1.346 Megawatt ans Netz. Selbst nach Abzug zurückgebauter Altanlagen bleibt ein Netto-Zubau von 1.288 Megawatt. Das ist fast doppelt so viel wie im Jahr zuvor. Rein rechnerisch entspricht das mehr als der Leistung des Steinkohlekraftwerks Datteln.

Wo die meisten neuen Anlagen stehen

Besonders stark fiel der Ausbau in Ost- und Südwestfalen aus. Spitzenreiter ist der Kreis Paderborn mit 34 neuen Anlagen, gefolgt von Düren mit 28 und dem Hochsauerlandkreis mit 22 Windrädern. Insgesamt drehen sich Ende 2025 landesweit rund 3.850 Windenergieanlagen mit einer installierten Leistung von knapp 9.100 Megawatt. Damit liegt NRW bundesweit auf Platz vier - hinter Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Brandenburg.

Netzausbau wird zur Achillesferse

Trotz der positiven Zahlen schlägt die Branche Alarm. Der Ausbau der Stromnetze komme viel zu langsam voran, kritisiert der Landesverband Erneuerbare Energien NRW. Immer häufiger stehen fertige Windräder still oder laufen gedrosselt, weil Anschlussleitungen fehlen. LEE-Geschäftsführer Christian Vossler warnt im Interview mit uns vor Akzeptanzproblemen in der Bevölkerung und fordert einen schnellen politischen Kurswechsel: Ohne deutlich mehr Tempo beim Netzausbau drohe der Windkraftboom in NRW ins Stocken zu geraten - trotz vieler neuer Genehmigungen und großer Ausbaupläne für die kommenden Jahre.

Autor: José Narciandi