Kuckelkorn: "Karnevalssession wird ganz anders aussehen"

Werden wir in der kommenden Session 2020/2021 Karneval feiern oder nicht? Ja, sagt Christoph Kuckelkorn mit voller Überzeugung. Wie genau, das ist allerdings noch völlig offen. Radio Köln-Karnevalsreporter Dominik Becker hat mit dem Präsidenten des Festkomitee Kölner Karneval gesprochen.

© Radio Köln

Herr Kuckelkorn, es gibt schon Lockerungen, vieles aber steht immer noch still. Im Privatleben ist nicht viel möglich, Veranstaltungen sind nicht möglich. Wie erleben Sie die Zeit und Ihr Köln aktuell?

Ich erlebe hier derzeit zwei sehr unterschiedliche Welten zwischen dem Beruf und dem Privaten. Als Bestatter hat man immer zu tun, mein hektischer Alltag wird derzeit noch durch zusätzliche Vorgaben und veränderte Rahmenbedingungen erschwert. Gleichzeitig wohne ich sehr zentral und erlebe die Innenstadt privat so ruhig und menschenleer wie nie zuvor.

Bis Ende August ist an Konzerte, Festivals, Messen und vieles mehr nicht zu denken. Der Start der Karnevalssession ist dann auch nicht mehr weit. Aus dem Bauch heraus ist man gerade geneigt zu sagen "Der 11.11. in der City kann niemals so wie sonst stattfinden!" Was sagt Ihnen Ihr Bauch?

Sicherlich fragen wir uns, wie und in welcher Form wir unseren Karneval künftig feiern können. Es wäre naiv zu glauben, bis November hätte sich das Problem erledigt. Und mit der Absage des Oktoberfestes rückt auch der Sessionsstart am 11.11. in fühlbare Nähe. Wir unterscheiden uns aber in einem wesentlichen Punkt von den Festivitäten in München: der Vorlaufzeit. Während die Aufbauten für die Wies’n schon im Juli starten, brauchen wir für den Aufbau des 11.11. nur wenige Tage. Die Planung startet natürlich deutlich früher, aber wir können bei vielen Dingen trotzdem kurzfristig agieren. Dadurch entsteht für uns jetzt im April kein Druck, bereits eine Entscheidung zu treffen. Bisher planen wir wie gewohnt und warten ab, wie es von Seiten der Bundesregierung nach August mit den großen Veranstaltungen weitergehen soll.

Sorgen Sie sich um die Session?

Es wird 2021 eine Karnevalssession geben, auch wenn diese ganz anders aussehen mag. Der Fastelovend ist ein Volksfest, das eben nicht nur auf der Bühne im Gürzenich stattfindet, sondern in jedem Büro, jeder Schule und vor allem in jeder Familie. Ein Fest des Volkes, bei dem wir alle – Festkomitee und Karnevalsgesellschaften – nur einen Teil organisieren. Ganz große Teile des Karnevals nehmen die Kölschen selbst in die Hand. Das ist tröstlich zu wissen – so eine alte und große Kultur, die kommt auch gut durch Krisensituationen. Der Karneval ist fester Bestandteil von Köln, das wurde in der Vergangenheit oft genug bewiesen. Wie groß allerdings unser Anteil im kommenden Jahr sein wird, können wir derzeit einfach noch nicht sagen. 

Das FK muss mit Blick auf den Sessionsstart und 2021 einiges organisieren. Ein neues Dreigestirn muss zum Beispiel gefunden werden. Geht das gerade so ohne Probleme, weil so viel in der Schwebe hängt?

Natürlich sind die Rahmenbedingungen erschwert, viele Meetings finden virtuell statt und für viele Bereiche der kommenden Session müssen wir einen Plan B in der Tasche haben. Dennoch planen wir erstmal so weiter, als würde die Session wie gewohnt stattfinden. Da haben wir die Hoffnung noch lange nicht verloren und das schließt natürlich auch die Suche nach einem Dreigestirn mit ein. Es wird sicherlich einen Prinz Karneval, einen Bauern und eine Jungfrau und auch ein Kinderdreigestirn geben. Ob ihre Aufgaben in der Session aber vielleicht anders sein werden, als in anderen Sessionen, das können wir heute noch nicht sagen. Gerade in diesen Zeiten wird aber die Bedeutung der Repräsentanten des Karnevals viel größer und deren Botschaften viel wichtiger sein als in einer normalen Session.

Was raten Sie allen Gesellschaften und kleineren Karnevalsvereinen? Sitzungen und Partys sind ja eigentlich schon fix.

Heute kann niemand sagen, mit welchen Beschränkungen wir möglicherweise noch in der Session zu tun haben werden. Auch wenn wir weiter arbeiten wie geplant, hat das Festkomitee alle seine Veranstaltungen und die dahinterstehenden Strukturen intensiv geprüft und über Alternativen nachgedacht. Wir empfehlen unseren Gesellschaften natürlich, das gleiche zu tun und gut für den Ernstfall vorbereitet zu sein. Wie wir aus Gesprächen wissen, haben natürlich viele Gesellschaften diesen Check längst gemacht. Orden werden teilweise später bestellt, vereinsinterne Veranstaltungen ins nächste Jahr verschoben und Vereinbarungen mit Künstlern und Betreibern von Locations geprüft. Das ist sinnvoll und notwendig, um bestmöglich vorbereitet zu sein. Die Kölner Karnevalsgesellschaften sind alle ehrenamtlich organisiert, die meisten sind gemeinnützig. Da sind naturgemäß keine großen finanziellen Polster, um möglicherweise ausfallende Veranstaltungen aufzufangen. Daher spielen finanzielle und rechtliche Aspekte vor allem hinsichtlich der gebuchten Räume und Künstler eine große Rolle. Wir haben hier Tipps erarbeitet und auch einige Verträge bereits geprüft. Jetzt ist aber auch all unsere Kreativität gefragt, um innerhalb der Vorgaben der Regierung unseren geliebten Kölschen Fastelovend zu zelebrieren. Ich bin überzeugt, dass in dieser Session viele, neue zukünftige Traditionen ihre Geburtsstunde haben werden.

Hat die ganze Zeit jetzt für Sie auch positive Effekte?

Wir sind jetzt in Woche sechs des Lockdowns und was ich von Anfang an in der ganzen Stadt gespürt habe, ist eine große Welle der Solidarität und Hilfsbereitschaft. Spendenaktionen und Nachbarschaftshilfen haben sich schon ab Tag eins in jedem Veedel gebildet. Auch bei unserer eigenen Hilfsaktion "Nur zesamme" merken wir eine große Bereitschaft der Karnevalisten: Die Menschen wollen helfen. Es ist schön zu sehen, dass die meisten Kölnerinnen und Kölner in solchen Zeiten auf die Gemeinschaft setzen, anstatt als Einzelkämpfer unterwegs zu sein. 

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